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Günter Grass: Ich war Mitglied der Waffen-SS

Hamburg - In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat der Literaturnobelpreisträger Günter Grass zugegeben, dass er Mitglied der Waffen-SS war.

smw / Quelle: news.ch mit Agenturen / Freitag, 11. August 2006 / 17:38 h

Der Deutschen Depeschenagentur (dpa) sagte Grass auf die Frage, warum er jetzt erst dies in seinem Buch öffentlich mache: «Ich habe das, im Rückblick, immer als einen Makel empfunden, der mich bedrückt hat und über den ich nicht sprechen konnte. Das musste mal geschrieben werden.» Unter dem Titel «Beim Häuten der Zwiebel» erscheint im September ein Erinnerungsbuch, in dem der Literaturnobelpreisträger seine Kindheit in Danzig, Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft sowie seine Anfänge als Künstler im Nachkriegsdeutschland schildert. Darin berichtet Grass, dass er sich mit 15 Jahren freiwillig zur U-Boot-Truppe habe melden wollen, aber wegen seines jungen Alters nicht genommen wurde. Der Schriftsteller fügte hinzu, in der Zeit seines Einsatzes seit Februar/März 1945 bis zu seiner Verwundung am 20. April 1945 keinen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Bislang hiess es in den Biografien des 1927 geborenen Schriftstellers, er sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden und habe dann als Soldat gedient.

Im 1944 den Einberufungsbefehl erhalten

Grass sagte der dpa weiter, dass er noch mit 16 Jahren wie der gesamte Jahrgang 1927 im Jahre 1944 den Einberufungsbefehl erhalten habe. Er sei im Winter 1944/1945 dann nicht der Wehrmacht, sondern der Waffen-SS zugeteilt worden. «Im letzten Kriegsjahr hat die Waffen-SS nicht nur Freiwillige genommen.» Grass hat nie ein Hehl daraus gemacht, als Jugendlicher für die NS- Propaganda empfänglich gewesen zu sein.



Günter Grass schreibt in seinem neuesten Buch über seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS. /

In seiner Zeit bei der Waffen-SS habe er allerdings die Division Frundsberg, der er zugeordnet wurde, nach eigenen Angaben niemals gesehen. Stets seien aufs Neue Verbände zusammengewürfelt und zum Einsatz gebracht worden, die schon wenige Tage später zersprengt wurden. Als Mitglied von zwei Spähtrupp-Unternehmen geriet Grass hinter die russischen Linien, erlebte grausame Kriegsszenen und überlebte nur, wie er selber sagt, durch Zufall. So sei er als Siebzehnjähriger aus dem Reichsarbeitsdienst nach Dresden zur Waffen-SS einberufen worden. Er diente in der zehnten SS-Panzerdivision «Frundsberg».

Zusammen mit dem Papst interniert

In dem Interview im Feuilleton der F.A.Z. (Samstagausgabe) berichtet Grass auch über seine Bekanntschaft mit dem heutigen Papst, der wie Grass als Kriegsgefangener im bayerischen Bad Aibling interniert war. Nach Kriegsende verblieb Grass bis 1946 in US-amerikanischer Gefangenschaft. Am Samstag kommender Woche, dem 19. August, erscheint in der F.A.Z. eine achtseitige Sonderbeilage mit Auszügen aus den Erinnerungen mit Zeichnungen des Autors.

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