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Debatte über Grass nur «PR-Massnahme»?

Hamburg - Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Bekenntnis von Schriftsteller Günter Grass zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen- SS scharf kritisiert.

fest / Quelle: sda / Dienstag, 15. August 2006 / 07:21 h

Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knoblauch vermutet eine PR-Massnahme bei Grass´ Geständnis. Das «späte Geständnis» kurz vor Veröffentlichung seines neuen Buches lege «die Vermutung nahe, dass es sich um eine PR-Massnahme zur Vermarktung des Werkes handelt», sagte Knobloch der «Netzeitung». Grass sei stets als «strenger moralischer Mahner aufgetreten», sagte Knobloch. «Sein langjähriges Schweigen über die eigene SS- Vergangenheit führt nun seine früheren Reden ad absurdum.» Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), sagte der «Bild»-Zeitung (Dienstagausgabe), zwar bleibe Grass literarisches Werk bestehen. «Aber als moralische Instanz, als die er sich selbst immer sah, hat er Schaden genommen.»

Literatur-Nobelpreis «erschlichen»

Literaturkritiker Hellmuth Karasek erneuerte seine Vorwürfe. Grass habe sich den Literatur-Nobelpreis «erschlichen», sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Wäre die SS-Mitgliedschaft früher bekannt gewesen, hätte Grass den Preis nicht bekommen.



Günter Grass hat eine lebhafte Debatte ausgelöst. /

Das späte Eingeständnis sehe wie «ein kurzsichtiges PR-Manöver» aus. Ein Abgeordneter der in Polen regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kündigte gegenüber der «Bild»- Zeitung eine Initiative zur Aberkennung von Grass´ Danziger Ehrenbürgerschaft an.

Aberkennung verlangt

«Ein Mitglied der Waffen-SS darf niemals Ehrenbürger einer polnischen Stadt sein», sagte Jacek Kurski dem Blatt. «Besonders nicht von Danzig, der Stadt, in der der Zweite Weltkrieg seinen Anfang nahm». Zuvor hatte bereits der polnische Ex-Präsident Lech Walesa die Aberkennung von Grass´ Danziger Ehrenbürgerschaft verlangt. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte dagegen vor zu harschen Urteilen. «Einige äussern sich so vehement, als hätten sie nur darauf gewartet, Günter Grass als öffentliche Person zu vernichten», sagte Thierse der Tageszeitung «Die Welt» (Dienstagausgabe).

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