Mittwoch, 2. Juli 2025
VADIAN.NET, St.Gallen



Nachrichten.ch

Aktuell

Forum


Inland

St.Gallen feiert 50 Jahre Gebührensack und lanciert neuen U-Sack

Inseli in Luzern: Ein vielseitiger Freiraum im Wandel

Davos gestaltet Zukunft: Siegerprojekt für Vali-Meisser-Areal steht fest

Bern stärkt Obdachlosenhilfe: Neue Notschlafstelle für Frauen und FINTA eröffnet

Wirtschaft

Schlosswechsel nach einem Umzug: Wann ist es wirklich notwendig

Sie möchten eine gebrauchte Rolex verkaufen? Lassen Sie uns das in die Wege leiten!

Wie man in Deutschland bezahlbaren Wohnraum findet: Ein Leitfaden für neue Arbeitnehmer

Wo arbeiten die meisten ausländischen Freiberufler in Deutschland oder der Schweiz? Trends und Alternativen

Ausland

Globaler Gesundheitspakt: Die Welt rüstet sich für künftige Pandemien

OpenAI nimmt Kurs auf die Emirate: Pläne für KI-Rechenzentren von enormer Dimension

KI-Chips: Tauwetter aus Washington? USA rudern bei Exportregeln zurück

Künstliche Intelligenz, Drohnenschwärme und Hyperschallwaffen - das neue Wettrüsten

Sport

Thun-Süd: Ein neues Zentrum für Sport und Freizeit entsteht

Bewegung im Freien: Solothurn eröffnet neuen Kraftplatz

La Reine bringt Rennradfahrerinnen in Gstaad zusammen

Die neue Formel für ein langes Leben: Was Longevity-Fitness wirklich bewirkt

Kultur

Sandra Piretti: Eine Traumreise durch Mythos und Unterbewusstsein

Appenzeller Farbenpracht: Fachleute tagen zum Erhalt der regionalen Baukultur

Art Basel 2025: Wenn eine Stadt zum globalen Kunstraum wird

Wenn Juwelen Geschichte schreiben: Christie's versteigert königliche Schätze

Kommunikation

Nach der Firmenübernahme: So gelingt Hamburger Unternehmen der erfolgreiche Neustart mit eigenem Markenauftritt

Pausen, Pushnachrichten, Produkte: Wie man im Alltag wieder zur Ruhe kommt

Phygital Shopping: Die smarte Verbindung von Online- und Offline-Handel

Die Zukunft des Trackings: Was kommt nach dem Link?

Boulevard

Denn «Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job» verdient mehr als nur ein Daumen-hoch-Emoji

So finden Sie einen zuverlässigen Chauffeurdienst für die Schweiz

Karrierewege in der Schweizer Import/Export-Branche

Der Leapmotor T03: Ein genauer Blick auf den günstigen Elektro-Kleinwagen

Wissen

Gehirn auf dem Chip: Wie 800.000 Neuronen einen Computer antreiben

Der digitale Tumor-Scan: Präzisionsdiagnose per KI

Ein neues Gesicht für die Kulturlandschaft von St. Moritz

Medizin-Cluster Ostschweiz: Wie St. Gallen zur Innovationsregion für Biomedizin und Medtech wird

Wetter


Kolumne


Internes

Impressum


Werbung


Publireportagen


Newsfeed


Die veröffentlichten Inhalte sind ausschliesslich zum persönlichen Gebrauch bestimmt. Die Vervielfältigung, Publikation oder Speicherung in Datenbanken, jegliche kommerzielle Nutzung sowie die Weitergabe an Dritte sind nicht gestattet.

Nachrichten.ch (c) Copyright 2025 by news.ch / VADIAN.NET AG

Kolumne


Psychologisches Killerkuscheln

Regula Stämpfli / Montag, 6. Mai 2013

Heute beginnt in München der Prozess gegen Beate Zschäpe und die sogenannte «Zwickauer Zelle». Der Prozess wird voraussichtlich zwei Jahre dauern und wird der grösste Prozess der jungen Bundesrepublik seit 1949 werden. Anlass, um über den Rechtsstaat, die Medien- und Umfragedemokratie, Gerechtigkeit und auch über die Rolle der Frau als Täterin nachzudenken. Beginnen wir mit dem letzten. Als die Zwickauer Zelle am 4. November 2011, nach dem Banküberfall in Eisenach aufflog und Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt starben, wurde die dritte Täterin, Beate Zschäpe, zunächst als Mitgehilfin, Geliebte, quasi die Mutti des Terrors, aber sicher nicht das eigenständige Subjekt Zschäpe in der Presse wahrgenommen.

Erst die EMMA-Berichterstattung sowie die Rechtsermittlungen zeigten, dass dies Klischées der Medien waren und mehr mit dem traditionellen Frauenbild der meisten deutschen Journalistinnen und Journalisten zusammenhingen, als mit der tatsächlichen Rolle, die Beate Zschäpe in der Terrorzelle gelebt hat. Sie wurde notorische Lügnerin genannt, eitel, ständig mit ihrem Aussehen beschäftigt etc. Alles klassische Beipackwörter, wenn es um Frauen geht.

Zum Auftakt dieses Prozesses brachte der Tagesanzeiger heute nun die psychologische Seite der Täterin. Natürlich handelt es sich ausschliesslich um Mutmassungen, doch einige Sätze lassen mich als Nicht-Juristin aufhorchen. «Hinweise darauf, was die mutmassliche Rechtsterroristin angetrieben haben könnte, gibt es aber nicht.»

Die Motivsuche ist im Rechtsprozess relevant, für mich als mündiger Mensch seit Jahren oft jedoch Anlass zu grossem Ärger. Ich kann die ständigen und alltäglichen Erklärungen, weshalb verletzt und gemordet wurde, weshalb dies und nicht jenes geschah, weshalb ein Psychopath Kinder vergewaltigt - wie kürzlich in einem Fall: «Ich wollte meine Phantasien ausleben» - nicht mehr ertragen. Entscheidend ist nicht das weshalb - es sei denn jemand handelt in Notwehr - sondern das was. Was hat der betreffende Mensch getan? Dann interessiert mich echt nicht, ob er oder sie eine schwierige Kindheit hatte, eine missglückte Diät, einen bösen Freund oder was auch immer.

Diese postmoderne Beliebigkeitswirtschaft, alle Menschen wie Waren zu behandeln, «ach ja, wegen dem Defekt muss die Ware billiger verkauft werden» oder eben: «ach ja, wegen der bösen Oma kann ich verstehen, dass dieses Kind ausrastet und entschuldige die zwei fehlenden Zähne meiner Tochter»... ist echt unfassbar. Sie ist auch eine zutiefst bürgerliche, konservative, bigotte Haltung, obwohl sie oft den progressiven Erziehungskräften zugeschrieben wird.

Einem Opfer hilft keine Erklärung. Einem Opfer hilft zunächst die Wiederherstellung des Rechts und die Anerkennung, dass ihm unendlich Unrecht angetan wurde. Da interessiert das eventuelle Unrecht, das der Täter erlebt hat, nicht. Klar doch: Im Rechtsprozess ist die Motivsuche wichtig, ebenfalls die Entscheidung von Mündigkeit und Unmündigkeit. Doch alles andere interessiert nicht - da war der Prozess gegen Brevik beispielhaft.

Statt der psychologischer Ursachenforschung, die jede Tat entpolitisiert oder je länger je mehr als Gesundheitsproblem einordnet, sollte eine klassische strukturelle und politische Einordnung vorgenommen werden. Die entscheidende Motivforschung bei Beate Zschäpe ist nämlich im Aktenstudium sofort ersichtlich: Beate Zschäpe wollte Kindergärtnerin werden und hat keine Lehrstelle gefunden. Erst nach einigem Rumjobben war es möglich, eine Gärtnerlehre abzuschliessen. Dort traf sie wohl übrigens auch die Neonazis Mundlos und Bönhard - eine Dreiecksgeschichte der besonderen Art, die aber auch in ganz «normalen» Verhältnissen vorkommen kann.

Das ist der entscheidende Punkt: Das Hinsehen nicht auf die kindliche und familiäre, sondern auf die berufliche Entwicklung in einem politischen und gesellschaftlichen Umfeld. Da liegen viel mehr Hunde begraben als irgendwelche psychologischen Spurensuchen je finden könnten. Dann würden die Politikerinnen und Politiker vielleicht auch eher realisieren, was zu tun ist, um Menschen in der Mitte der Gesellschaft ankommen zu lassen. Sinn, Anerkennung und ein materiell anständiges Leben sind die Bestandteile einer stabilen Existenz.

Mit der seit Jahrzehnten unter US-amerikanischer Kulturdominanz gewachsenen Psychologisierung aller Taten, Prozesse und Ereignisse ist das Bewusstsein für Recht und Unrecht, für Anstand und Verwahrlosung, für Handeln oder Worte verloren gegangen. Gerade im Prozess um Zschäpe ist dies sichtbar. Wie meinte Hannah Arendt im Prozess gegen Eichmann? «In einem Gerichtshof, der nicht das sogenannte Weltgericht der Geschichte zu repräsentieren beansprucht, gibt es nur persönliche Schuld und Unschuld, die sich auf Grund objektiver Tatbestände nachweisen lassen muss. Mit anderen Worten, auch wenn achtzig Millionen Deutsche getan hätten, was Sie getan haben, wäre dies keine Entschuldigung für Sie.» Und es gilt eine Demokratie zu schaffen, in welchen Menschen ihre Mündigkeit und Verantwortung nicht nur bewusst sind, sondern auch aufgrund dessen beurteilt werden.

Genauso ist auch in der Psychologisierung von «schwierigen Kindheiten» vorzugehen. Selbst wenn Vater und Mutter Monster waren, es gibt nie eine Entschuldigung für das, was ein Mensch schliesslich tut. Entscheidend ist der Unterschied zwischen mündig und unmündig. Doch genau das will - je länger je mehr - eine Gerichtsordnung, die unter Mediendruck mehr und mehr wie ein Markt statt wie ein Rechtsstaat nach Kant funktioniert, aufheben und droht dabei in ein psychologisches Killerkuscheln abzugleiten.


Links zum Artikel:

Der Spiegel über Zschäpes Psyche Artikel über die Psyche der «Überlebenden» der Terrorzelle


 Kommentare lesen (7 Beiträge)
· Die Wahrheit ist wohl...ochgottMi, 08.05.2013 07:34
· Bürgerliches Kuscheln?MidasDi, 07.05.2013 18:01
· Keine AussagenKangiLutaDi, 07.05.2013 16:25
· Danke KangiLutajorianDi, 07.05.2013 16:13
· SWR1 Baden-WürttembergKangiLutaDi, 07.05.2013 15:28
· Metzgerstochter 2jorianDi, 07.05.2013 03:53
· MetzgerstochterjorianMo, 06.05.2013 18:52
» Mitreden


nachrichten.ch 1

«Ausländer-Kredit» für Investitionen in der Heimat? Immer öfter - gerade auch vor den Ferien - wird das Beratungsteam von kredit.ch angefragt, ob auch in der Schweiz lebende Ausländer die Möglichkeit haben, einen günstigen, fairen Kredit zu erhalten. Fortsetzung




Archiv

Patrik Etschmayer
Gute alte Zeit? Warum die Türe zu bleiben muss!


Peter Achten / Peking
Modell für die ganze Welt?


Regula Stämpfli
Es ändert sich nichts


Patrik Etschmayer
GA-CH: Das Halb-Millionen-Franken Schnäppchen


Peter Achten / Peking
Die Grosse Unordnung


Regula Stämpfli
Markt für Flüchtlinge


Patrik Etschmayer
ROSS for Bundesrat?


Peter Achten
«Verantwortungsvoller Atomstaat»


Regula Stämpfli
Armeechefs ohne Demokratie


Patrik Etschmayer
Tipps zum sicheren Abheben


Peter Achten / Peking
Das Jianbing-Staatsgeheimnis


Regula Stämpfli
Abschied von der Konkordanzschweiz


Peter Achten / Peking
Golf mit proletarischem Schwung


Patrik Etschmayer
Die wahren Verfolgten


Regula Stämpfli
Konzernrecht bricht Verfassungsrecht


Patrik Etschmayer
Initiative für die bedingungslose Briefkastenfirma


Peter Achten / Hanoi
Pho von Frau Lam


Regula Stämpfli
Sozialsystem oder Bedingungslosigkeit


Patrik Etschmayer
Drápas für Diktatoren


Peter Achten / Peking
Krasser SwissTaste


Regula Stämpfli
Maurer-Papers: Volksvertreter? Bankensprecher!


Patrik Etschmayer
Regierung oder Waschmaschine?


Peter Achten / Peking
«Das sind keine Träume»


Regula Stämpfli
Bürokratische Monster


Patrik Etschmayer
Tun als ob ... oder einfach tun, ganz ohne 'ob'


Peter Achten / Peking
Eisenbahn der Superlative


Regula Stämpfli
Kontrollieren mich die Tatsachen?*


Patrik Etschmayer
Erdowie, Erdowo, Erdowan!


Peter Achten / Peking
«Rücksichtslos die Axt anlegen»


Regula Stämpfli
Kampf der Kulturen? Welche Kultur denn?


Patrik Etschmayer
Kurssprung der Angst-Aktien


Peter Achten / Peking
Kleines Geschäftchen in der Grossen Halle


Regula Stämpfli
Lobbys machen Lobbykritik


Patrik Etschmayer
Alternative für Drumpf!


Peter Achten / Peking
Realpolitik pur


Regula Stämpfli
Ideologischer Mehltau


Patrik Etschmayer
Gebrauchtwagenhändler als Präsident!


Peter Achten, Bejing
Probleme im Tiefwasser


Regula Stämpfli
Geldsorgen gefährden Ihre Gesundheit


Patrik Etschmayer
SVP lanciert Ende Jahr EAI (Eliten-Ausschaffungs-Initiative)


Peter Achten / Peking
«Wir sind absolut loyal!»



Saudi-Arabien: Franken hui -Flüchtlinge pfui


Patrik Etschmayer
Und alle zusammen: ChuchiCHexit!


Peter Achten / Peking
«Sehnsucht nach Fussball»


Regula Stämpfli
Frauenkörper und Politik


Patrik Etschmayer
Die 500-Euro Frage


Peter Achten
Neunerprobe für die «Lady»


Regula Stämpfli
Rassismus für Glaubwürdige


Patrik Etschmayer
Hassen in der Blase


Peter Achten / Peking
Affen-Kälte - Affen-Hitze


Regula Stämpfli
Schiessbefehl gegen Journalisten


Patrik Etschmayer
Die Quartals-Realität


Peter Achten
Politisch korrekt und stabil


Regula Stämpfli
Demokratie geht immer


Patrik Etschmayer
Reppy for President?


Peter Achten / Peking
«Sichere» Zigaretten?


Regula Stämpfli
Der Politologe schützt das Volk


Patrik Etschmayer
«Keine Präsenz ohne Honorar»


Peter Achten / Peking
Status Quo mit Distanz


Regula Stämpfli
Im Bett mit Varoufakis


Patrik Etschmayer
Wenn der Bösewicht kein «Joker» ist


Peter Achten / Peking
Regionaler Morast in Ostasien


Regula Stämpfli
Speichelpolizei Bern


Patrik Etschmayer
Wenn der Rand ins Zentrum schleicht


Peter Achten / Peking
Tief einatmen!


Regula Stämpfli
Die Vorteile von Menschen mit Menstruationshintergrund


Patrik Etschmayer
Rückblick auf das nächste Jahr: Teil 2


Peter Achten / Peking
Le Petit Prince à la chinoise


Regula Stämpfli
UBER-Lösung: Die Deklaration der Daten-Unabhängigkeit


Patrik Etschmayer
Rückblick auf das nächste Jahr: Teil 1


Peter Achten / Peking
Hong Kong: Pressefreiheit in Gefahr?


Regula Stämpfli
Die Zeichensprache des Bösen


Patrik Etschmayer
Wo die Wahrheit zum Sterben hin geht


Peter Achten / Peking
Roter Wahlabend in Peking


Regula Stämpfli
Gewählt ist: Hashtag


Patrik Etschmayer
Die faschistische Internationale auf dem Vormarsch


Peter Achten / Peking
Kohl und Kohle - Atemlos


Regula Stämpfli
Einmal Lüge, immer Lüge


Patrik Etschmayer
Sparen wir die Zukunft weg!


Peter Achten / Peking
Der rosarote Hunderter


Regula Stämpfli
Phänomenomics(TM): Viagra übernimmt Botox


Patrik Etschmayer
Mauern mit Donald


Peter Achten
Xi, Obama und das «Great Game»


Regula Stämpfli
Mörderische Ordnungsprinzipien


Patrik Etschmayer
Die Geier des Grauens


Regula Stämpfli
Die Gegenwart der Geschichte


Peter Achten
Dritter Anlauf zur Demokratie



Alles an seinen Platz


Peter Achten / Peking
Nach dem Holz- der Kohle-Ausstieg?


Regula Stämpfli
«Haha» sagt der Clown: Über Dämonen in der Politik


Patrik Etschmayer
Die Suche nach dem Homosexualitäts-Gen: Schwachsinn oder Notwendigkeit?


Peter Achten / Peking
«Es gibt keine Abkürzungen»


Regula Stämpfli
#Wurstgate&Biopolitik


Patrik Etschmayer
Weltuntergangsbeleuchtung oder Chance?


Peter Achten / Peking
Kai Dang Ku - Windelweich


Regula Stämpfli
Rechts«rutsch» dank Finanzkrise


Patrik Etschmayer
Blocher-Clan


Peter Achten / Peking
Grenzen der Armut


Regula Stämpfli
Marke Schweiz: Frauenverhöhnung


Patrik Etschmayer
Akrasia und die Krisen