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Kolumne


Der Ast, an dem die Wirtschaft sägt (Teil 2)

Patrik Etschmayer / Mittwoch, 8. Mai 2013

Seit Beginn der Erfolgsgeschichte des Kapitalismus war das Verhältnis von Wirtschaft und Individuum immer von einer gegenseitigen Abhängigkeit geprägt: Ohne Arbeiter konnte nichts produziert werden und ohne Produzenten gab es keine Arbeit. Technische Fortschritte gefährden nun diese Balance und im Endeffekt das ganze System. Prognosen kranken meistens daran, dass sie sich auf die Zukunft beziehen. Und Prognosen massiver Umbrüche sind besonders heikel, deshalb muss auch klar gesagt sein, dass diese hier lediglich Spekulationen sind. Wer behauptet, was anderes liefern zu können, lügt.

Nun gibt es aber gewisse Hinweise darauf, dass wir wirklich an einem Umbruch zur Automation stehen. Ein erster Indikator ist die Abnahme des Bevölkerungsanteils, der einer Arbeit nach geht. Darüber lässt sich im Moment wegen der sehr turbulenten Wirtschafts-Situation nicht wirklich etwas abschliessendes sagen, aber die USA, in denen die meisten Indikatoren nach oben zeigen, die Arbeitslosenquote trotz stark ansteigender Fertigungszahlen jedoch fast konstant bleibt, sind da, wie schon in Teil 1 erwähnt, ein mögliches Beispiel.

Zweitens dürften weniger neue offene Stellen geschaffen werden und die Mittelklassegehälter dürften drittens in der Folge stagnieren und sogar zurück gehen - ein Trend, der vielerorts schon beobachtet wird und dazu führt, dass eine normale Arbeit nicht mehr für den Lebensunterhalt ausreicht.

Firmen dürften viertens aus Furcht vor dem stagnierenden Absatz grosse Barreserven horten und weniger in neue Produkte investieren und weniger Fabriken bauen und als fünfter Punkt dürfte der Anteil an den Einkommen in einer Volkswirtschaft aus Arbeit zurückgehen und aus Kapitalerträgen ansteigen. In den USA betrug dieses Verhältnis über Jahrzehnte bis ins Jahr 2000 zwei Drittel zu einem Drittel. Unterdessen ist der Arbeitslohn-Anteil auf unter 60% gesunken.

Alle diese Trends haben sich in den vergangene zehn Jahren schon gezeigt. Geht man davon aus, dass die Ursachen wirklich in der einsetzenden Automatisierung liegen (natürlich gibt es noch viele andere möglichen Gründe), könnten wir das Zeitalter der Computer- und Roboter-Revolution schon betreten haben.

Es ist deshalb wichtig, diese fünf Trends zu beobachten und, wenn sie sich weiterhin Fortsetzen, auch wenn sich die Wirtschaft erholt, Alarm schlagen.

Die End-Konsequenz wäre das Ansammeln praktisch aller Einkommen und Vermögen bei den Kapitaleignern, da es zum Fertigen, zum Wirtschaften vor allem noch eines braucht: Kapital. Wenn Maschinen Maschinen fertigen, ja sogar zum grossen Teil konstruieren und diese Roboter wiederum Konsumgüter herstellen, verteilen und verkaufen, fällt der normale Arbeitnehmer aus der Gleichung heraus. Doch er ist ein unabdingbarer Teil der Wirtschaftsmathematik. Und wenn dieser Faktor auf einmal als Konsument fehlt (denn ohne Einkommen kein Konsum), bricht das ganze System zusammen.

Manche Lösungen sind bereits heute entweder als Wunschtraum oder rote Tücher bekannt. Wie zum Beispiel die berühmte «Umverteilung». Doch liebe Marktliberale, wartet mit dem Aufschrei, denn die Situation wird eine andere sein, eine ganz andere. Wenn die Fortschritte in der KI und der Robotik weiterhin mit rasenden Schritten vorangehen, könntet auch ihr, ob nun Architekt, Rohstoffhändler, CFO oder gar CEO, überflüssig werden. Weder Fleiss, Hingabe noch Wille zur Leistung nützen dann etwas. Lediglich Beteiligungen an den Firmen, welche automatisiert produzieren, ergeben noch Einkommen. Aber auch nur, so lange es noch eine breite Konsumentenschicht gibt, die sich die Produkte leisten kann. Fällt diese Weg, kracht alles zusammen.

Wäre also die massive Besteuerung von Kapital, mit der die arbeitslosen Massen versorgt würden, eine Lösung? Schon, aber wirklich glücklich wären weder die Kapitaleigner, die sich beraubt fühlten, als auch die zur Untätigkeit gezwungenen Massen, die sich von staatlichen Almosen abhängig fühlten. Andererseits... Brot und Spiele sind ja kein gänzlich unbekanntes Konzept und bewährten sich in der Zeit, als Sklaven die Aufgabe der Roboter im alten Rom übernommen hatten.

Eine andere Möglichkeit wäre es, aus allen Bürgern Kapitaleigner zu machen, sprich, dass mit der Volljährigkeit jede Person vom Staat eine Art Aktienfonds bekommt, der ein gewisses Einkommen generiert, während der Wert des Humankapitals auf dem Arbeitsmarkt immer weiter sinken wird.

Dieses Portfolio wäre sozusagen ein Anteil an der Produktionskraft der Roboter, welche die Menschen ersetzen. Finanziert würde es durch eine Roboter- und Ki-Steuer, welche die Unternehmen bei jedem weiteren Automatisierungsschritt zu leisten hätten und in Form von Eigenkapital wieder an sie zurückfliessen würde. Diese Anteile wären bis zu einem gewissen Alter nicht verkäuflich und würden gleichzeitig für eine breitere Kapitalbasis sorgen - womöglich die einzige Möglichkeit, eine Mittelklasse zu erhalten und den Kollaps zu vermeiden.

Natürlich: Hoffentlich werden solche Schritte nicht nötig sein, weil die menschliche Arbeitskraft durch KI und Roboter nur ergänzt, aber nicht ersetzt wird. Doch eine solch benevolente Variante widerspricht den ökonomischen Grundregeln und auch der Erfahrung mit bisherigen Effizienzsteigerungen.

Sollte die Roboter-Revolution nicht stattfinden, kann man sich diese Gedankenspiele sparen. Wenn sie aber kommt, wird sie schnell und mit grosser Kraft über unseren gesellschaftlichen Konsens herein brechen und wir sollten dann zumindest darüber nachgedacht haben, was zu machen ist, wenn unsere Arbeitskraft, unsere Intelligenz und unser Fleiss nichts mehr wert sind.


Links zum Artikel:

Ökonom Noah Smith zu dem Thema Artikel in «The Atlantic» vom Ökonomen Noah Smith zu dem Szenarium der Roboter-Revolution (Englisch)




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UV-Beständigkeit: Ein Schlüssel für langlebige Outdoor-Werbemittel In der dynamischen Welt der Aussenwerbung spielt die Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle. Eine der grössten Herausforderungen ist die UV-Strahlung, die Materialien im Freien stark beansprucht. Der Fokus liegt darauf, wie UV-Beständigkeit im Jahr 2026 die Langlebigkeit von Outdoor-Werbemitteln beeinflusst und welche strategischen Ansätze dabei eine Rolle spielen. Fortsetzung




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