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Kolumne


Akrasia und die Krisen

Patrik Etschmayer / Dienstag, 13. Oktober 2015

Krisen gelten eigentlich als ausserordentliche Problemsituation, als Höhepunkt einer schwierigen Entwicklung und sie sollten die Ausnahme sein. Seit einiger Zeit aber ist Krise die neue Normalität, die Katastrophe hat sich zum Normalzustand entwickelt. Falls es Sie, lieber Leser, schaffen, einen politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Bereich zu nennen, in dem derzeit keine Krise herrscht, dann Gratulation. Denn fast an jeder Stelle, an welcher der Autor etwas klopft, kriselt es sofort zurück. Und zwar querbeet. Beet? Genau, gutes Beispiel - Landwirtschaft: Bodenerosion, Bienensterben, Schädlingsresistenzen, Klimaerwärmung. wobei wir hier sofort in der nächsten Krise wären. Nämlich jener der Entwicklung des Weltklimas.

Diese wiederum verursacht oder beeinflusst zumindest andere Krisen wie jene der Migrationsströme. Nicht zuletzt, weil das sich verändernde Klima zu Dürren und Missernten führen kann. So ist es nicht wirklich abwegig, dass zum Beispiel der «Arabische Frühling» seinen Ursprung nicht nur in politischen, technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen hatte, sondern auch in den durch Fehlernten steigenden Getreidepreisen, die den Unruhen eine breite Grundlage gegeben hatten.

Dieser Krise folgte ja dann die nächste, nämlich die Migrationskrise. Parallel dazu trug und trägt sich die Eurokrise zu, welche als Folge der globalen Finanzkrise auch eine institutionelle Europakrise zur Folge hatte, die jetzt, während der Flüchtlingskrise, sich zu einer handfesten EU-Existenzkrise auswächst.

Aber damit nicht genug. Wir haben Hungerkrisen, Rohstoffkrisen, eine Antibiotikakrise, Grenzkonflikt-Krisen, Rentenkrisen, Vertrauenskrisen.

Das wirklich tragische an diesen Krisen ist nicht ihre Existenz, sondern, dass die meisten voraussehbar waren und durch rechtzeitiges Handeln hätten verhindert oder zumindest abgemildert werden können.

Nehmen wir die Klimaerwärmung mit all ihren Effekten auf Unwetter, Ernten und Migration in Betracht. Die physikalischen Grundlagen sind schon seit Jahrzehnten bekannt und es ist auch schon seit mehr als 20 Jahren für Klimaforscher klar, dass mehr CO2 und Methan in der Atmosphäre zu einer Veränderung des Weltklimas führen müsste.

Trotzdem passierte eigentlich nichts oder sogar weniger als nichts (die Situation wurde nicht besser, sondern immer schlechter). Die Theorie wurde von allen möglichen Interessengruppen angegriffen, obwohl es um die Lebensgrundlage der Menschen ging.

Wie gesagt, es passierte und passiert immer noch herzlich wenig. Doch warum geht nichts? Liegt es an der Politik? Liegt es an den gesellschaftlichen Strukturen? An den «Sachzwängen»? Oder liegt es einfach am Menschen an sich?

Denn Menschen sind Meister darin, Dinge aufzuschieben, wenn eine langfristige Belohnung mit einem kurzfristigen Nachteil erkauft wird. Beredte Zeugen dieses Verhaltens sind Millionen von Fitness-Club-Jahresabos, deren Benützung während der ersten ca. 4 Monate von regelmässig auf fast null abfällt, um spätestens im zweiten Halbjahr genau dort zu verharren.

Auch politische Entscheide und bejubelte, offensichtliche Lügen und Halbwahrheiten lassen ihre bereitwillige Akzeptanz durch die Stimmbürger so erklären. Als Norbert Blüm 1997 sein berühmtes «Rente ist sicher!» verkündete, war dies Balsam auf die Seelen der CDU-Wähler, ganz egal, wie belastbar diese Behauptung auch sein mochte. Schmerzhafte Massnahmen und lange Konflikte um eine Rentenreform konnten so einfach und ohne grossen Aufwand unter den Teppich gekehrt werden.

Das Verschieben von Massnahmen gegen den Klimawandel ist noch einfacher erklärbar. Schwerwiegende, mit unabsehbaren Folgen behaftete Massnahmen ob einer unsichtbaren (wenn auch mit grösster Wahrscheinlichkeit eintreffenden) Bedrohung ist ein hartes Brot, an den Mann, an die Interessenverbände und Grossunternehmen zu bringen, welche die Politik entscheidend mit gestalten. Kein Wunder, wären doch wesentliche Selbstverständlichkeiten des modernen Lebens zumindest in Frage gestellt.

Dieses Vorziehen einer angenehmen aber falschen Tätigkeit vor einer unangenehmen aber eigentlich notwendigen Handlung heisst Akrasia. Und wie der Name andeutet: schon die antiken Philosophen haben sich mit diesem Aufschieben des Unangenehmen, aber Richtigen befasst.

Scheinbar ist der Mensch geradezu programmiert, so zu handeln. Und verdammt, wenn Internet und Smartphone nicht die ultimativen akratischen Massenverzögerungswaffen sind, mit Facebook und Twitter als den tödlichsten Ingredienzen. Die Popularität dieser Ablenkungen sollte eigentlich Beweis genug für das obige Statement sein.

Auch die Politik verhält sich dieser Art zu handeln entsprechend, verspricht kurzfristig und ignoriert nach Möglichkeit langfristig. Erst wenn die Krisen dann vor der Türe stehen, oder diese bereits eingetreten haben, wird reagiert. Doch dann ist es meist zu spät, um noch vernünftige Handlungsstrategien aufzubauen. Diesem blinden Aktionismus durch Prokrastination entspricht die heute übliche Flicken-Politik.

Vor allem populistische Parteien profitieren davon, da kurzfristige Lösungen, die der eigenen Klientel nicht weh tun als ultimative Problemlösungen präsentiert werden. Und sollten diese Lösungen versagen, sind sicher die «anderen» Schuld und es werden wiederum kurzfristige Lösungen verlangt.

Viele Menschen sagen - Akrasia sei Dank - nur allzu gerne ganz laut ja zu dieser Art der Argumentation, denn es scheint nun mal in unserer Natur zu liegen, so zu handeln. Und das schon seit tausenden Jahren.

Gibt es eine Lösung? Im persönlichen Bereich gibt es Tricks, unangenehme Dinge so zu legen, so dass man sie vor noch unangenehmeren erfüllen kann (um die es kein Herumkommen gibt). Doch der ganzen Menschheit solche Übungen zu verschreiben, dürfte hoffnungslos sein.

Natürlich könnte man daran gehen, und sich etwas gigantisch-kluges ausdenken, um die Natur der meisten Menschen zu überlisten und Ihnen ein Gefühl für langfristiges Lösen von Problemen einzubläuen. Aber schon dieser Gedanke ist genug, um einen normalen Menschen nachhaltig abzuschrecken. Wo waren schon wieder die Katzenvideos?

TL;DR: Menschen ziehen kurzfristige Ablenkung langfristigen Problemlösungen vor. Katzenvideos dürften einst Hauptgrund für den Untergrund der Zivilisation sein.


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