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Kolumne


Alles an seinen Platz

et / Dienstag, 10. November 2015

Die Nomination des republikanischen Präsidentschaftskandidaten ist zur Freak-Show geworden, die demonstriert, was passiert, wenn «Meinen» wichtiger als «Wissen» ist und Wunschdenken als Basis des alltäglichen Handelns geworden ist. Die derzeitigen republikanischen Spitzenreiter bedienen dabei weniger die Realität als verzweifelte Wunschträume. Ein Hinrchirurg, ein Immobilientycoon, ein Politdynastie-Erbe, eine gescheiterte Firmenlenkerin, ein Kuba-stämmiger Immigrantensohn und Extrem-Hardliner, der den Präsidenten des Hochverrats bezichtigt, ein weiterer Kuba-stämmiger Immigrantensohn, der als einer der konservativsten und homophobsten Politiker überhaupt gilt, ein von einem Racheskandal angeschlagener Gouverneur und noch ein paar andere kämpfen um die Möglichkeit, für die Republikaner als Präsidentschaftskandidat antreten zu können.

So unterschiedlich diese Kandidaten auch sein mögen, einige Punkte vereinigt sie: So glauben sie zum Beispiel nicht an den menschlichen Einfluss auf das Weltklima, sie glauben, dass Gesundheitsversorgung etwas für Reiche sein sollte, sie bestehen alle darauf, das ungeborene Leben Kompromisslos schützen zu wollen (auch Inzest und Vergewaltigung sind kein Argument für Abtreibung), während das geborene Leben hingegen täglich durch Schusswaffen gefährdet werden darf. Wenn es also um die politischen Ansichten geht, die sie sich zu vertreten wagen, sind die Differenzen erschreckend klein.

Wenn von dieser Clowntruppe unterdessen zwei Namen auch in Europa zum Begriff geworden sind, dann handelt es sich zweifellos um Donald Trump, den Immobilientycoon und Ben Carson, den Hirnchirurgen, zwei Polit-Aussenseiter, die nun zum Erstaunen der meisten Analysten in den Umfragen immer noch an der Spitze liegen.

Dass dies der Fall ist sagt dabei weniger über die Kandidaten als über die potentielle Wählerschaft der Republikaner aus, die auf offenbar auf keinen Fall jemanden mit politischer Erfahrung im Amt will. Ben Carson, der evangelikale 7.-Tags-Adventist, glaubt an den baldigen Weltuntergang, will bis dahin als Steuer wieder den Zehnten einführen, glaubt, dass in Ägypten die Pyramiden von Josef als Kornspeicher gebaut worden sind, proklamiert, dass «Obamacare» das schlimmste seit der Sklaverei sei und glaubt, dass privater Waffenbesitz den Holocaust hätte verhindern können.

Doch das reicht noch nicht. Carson hat, (aus was für Gründen auch immer) seine eindrückliche Biographie mit einigen Schwindelgeschichten gepolstert, und behauptet zum Beispiel, dass er in seiner Jugend gewalttätig gewesen sei und erst durch das Bibelstudium seine innere Ruhe (er strahlt in etwa das Temperament einer Schildkröte aus, die gerade eine Schachtel Valium verputzt hat) gefunden habe. Doch an diese Episoden kann sich ebenso wenig jemand erinnern, wie an sein angeblich abgelehntes Stipendium für die West Point-Militärakademie.

Doch seine Fans nehmen ihm diese und andere (es tauchen fast täglich neue auf) Lügen scheinbar nicht übel. Denn sie wollen keinen Menschen, sondern eine Geschichte wählen: Die Geschichte des armen Jungen, der es nur dank Gottvertrauen und Zeichen des Herrn aus den Armenvierteln von Detroit ins weisse Haus schafft. Dass seine politischen Pläne unmöglich auch nur im Ansatz zu verwirklichen sind, scheint da keine Rolle zu spielen - offenbar wird erwartet, dass mit Carsons Amtsantritt sein Gott (der übrigens am Samstag den 'Sabatt' feiert) die Welt so verändern wird, dass alle seine irren Pläne Wirklichkeit werden.

Die Anhänger von Donald Trump erwarten hingegen, dass er einfach alles macht, was er sagt, denn er ist ja Trump. Oder? Eine Mauer zwischen Mexiko und den USA bauen und Mexiko dafür zahlen lassen? Kein Problem. «I'll make them do it!» 11 Millionen illegal in den USA lebende, vielfach Steuern zahlende und arbeitende Mexikaner deportieren? Aber sicher, kein Problem! Russland in die Schranken weisen und den Chinesen Bescheid sagen, so dass sich die nie mehr aufs Meer raus wagen mit ihren Kriegsschiffen. Vor dem Frühstück am zweiten Amtstag! Ganz egal, wie unrealistisch, rassistisch und irr die Behauptungen von Trump sind, auch hier wird wieder eine Geschichte gewählt, jene, dass der Starke jedes Hindernis aus dem Weg räumen kann, wenn er nur will und ihm selbst China und Russland nicht im Weg stehen können.

Der Grössenwahn von Trump wäre beinahe putzig, wenn nicht ein Gutteil der republikanischen Wähler genau dies toll fänden in ihrem Glauben, dass dieser Mann dem weissen, konservativen US-Bürger wieder die ihm einst versprochene Grösse zurück bringen könnte. Für diese Wählergruppe, die im mittleren Westen der USA und im Süden daheim ist, im sogenannten Heartland, ist es in der Tat lebenswichtig, dieses mythische Paradies zu erreichen. Denn es handelt sich bei dieser Gruppe, wie dies in einer Studie des Wirtschaft-Nobelpreisträgers Angus Deaton und Anne Case festgestellt wurde, um die einzige Bevölkerungsgruppe der USA, deren Lebenserwartung am Sinken ist. Wichtige Todesursachen: Selbstmord und Drogenmissbrauch, wobei wir hier nicht an Crystal Meth sondern viel mehr an Alkohol und Medikamente denken müssen. Ein Vergleichsmassstab sei der Abfall der Lebenserwartung in Russland nach dem Untergang der Sowjetunion.

Dass nun ausgerechnet dort, wo in den Bundesstaaten die Republikaner das Sagen haben und staatliche Hilfe wenn möglich reduziert und eliminiert und Gott und Vaterland umso grösser geschrieben werden, diese Existenzkrise zuschlägt, während in den 'liberalen' Hochburgen an der Westküste und im Nordosten die Lebenserwartung weiter am Steigen ist, macht die Sehnsucht nach ultrakonservativen Kandidaten in diesen Regionen umso absurder.

Oder nicht? Vielleicht ist es ja die Kränkung darüber, dass Dinge nicht so sind, wie sie eigentlich versprochen waren, die zur Selbstzerstörung führen. Und da ja das eigene Lebensmodell nicht am Desaster schuld sein kann, müssen Kandidaten her, die eine heile Welt versprechen, in welcher die weissen Christenmenschen noch das Sagen haben und welche noch mehr von dem versprechen, das schon bisher nicht gewirkt hat. Ob das den Höhenflug von Carson und Trump beflügelt? Dass Carson absurderweise ein Schwarzer und Trump keineswegs ein evangelikaler Christ ist, zeigt einfach noch eindrücklicher, wie sehr es hier um das Narrativ, um die Geschichte, die erzählt wird, geht.

Denn beide versprechen, wieder für eine heile, übersichtliche Welt zu sorgen. Für eine Welt, in der alle wieder an ihrem Platz sind, an dem Platz, den das konservative, ländliche Amerika bestimmt. Dass es diese Welt noch nie gegeben hat und auch nie geben wird, spielt dabei keine Rolle. Denn gewählt von diesen Leuten wird ein Wunsch. Und Carson und Trump spielen für diese Wähler Weihnachstmann. Nur blöd, dass ihr Sack leer ist.


Links zum Artikel:

Die Flunkereien des Ben Carson Die New York Times über das Flunkern des Evangelikalen Ex-Chirurgen.

Sterblichkeit der weissen US-Mittelklasse Artikel über die Deaton-Case Stundie, in der der Anstieg der Sterblichkeit diskutiert wird.


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