Montag, 29. Mai 2017
VADIAN.NET, St.Gallen



Nachrichten.ch

Aktuell

Forum


Inland

Botschaft in Berlin feiert Gotthard-Tunnel mit Riesen-Schriftzug

Gegner der Stiefkindadoption für Homosexuelle drohen mit Referendum

Ja zu Subventionen für Wasserkraftwerke bei tiefen Strompreisen

Alles ist bereit für die Eröffnung des Gotthard-Tunnels

Wirtschaft

So spart man mit dem Elektroauto

Vignette, Maut und Free Flow

Überleben im digitalen Haifischbecken

Dem Affiliate Marketing stehen in der Schweiz grosse Änderungen bevor

Ausland

Hunderte demonstrieren in Istanbul zum Gezi-Jahrestag

Islamischer Staat setzt Offensive im Norden Syriens fort

Deutschland und Grossbritannien erinnern an Skagerrak-Schlacht

Jens Stoltenberg gegen neuen Kalten Krieg

Sport

Panini Adrenalyn XL - Sammle jetzt!

Germano Vailati verlängert beim FCB

Martin Schmidt verlässt Mainz 05

GC: Dabbur soll bleiben, Lavanchy könnte gehen

Kultur

Augusta Raurica - Die Römerstadt am Rhein bei Basel

Das neue Zuhause der Fussballgeschichte

Schweizer Geschichte und Kultur erleben

Wetter. Sonne, Blitz und Wolkenbruch

Kommunikation

Gipfeltreffen für Digital Marketing und E-Business

Erfolg durch Personalisierung und Timing

Telefonmuseum Telephonica - Geschichte zum Anfassen

Bild- und Videosuche per Handskizze

Boulevard

Die richtigen Autoreifen für jede Jahreszeit

Immer mehr Singles in der Schweiz - Beziehungstipps im Überblick

Das faszinierende Unterwasser-Abenteuer im SEA LIFE Konstanz

Sind Last Minute-Angebote das, was sie versprechen?

Wissen

Fauna, Flora & Fun erleben

Inselspital eröffnet zentrale Biobank

Rückkehrende Touristen sollen Kondome benutzen

Frühchen: Schwache Knochen im Erwachsenenalter

Wetter


Kolumne


Internes

Impressum


Werbung


Publireportagen


Newsfeed


Die veröffentlichten Inhalte sind ausschliesslich zum persönlichen Gebrauch bestimmt. Die Vervielfältigung, Publikation oder Speicherung in Datenbanken, jegliche kommerzielle Nutzung sowie die Weitergabe an Dritte sind nicht gestattet.

Nachrichten.ch (c) Copyright 2017 by news.ch / VADIAN.NET AG

Kolumne


Wenn der Bösewicht kein «Joker» ist

Patrik Etschmayer / Dienstag, 12. Januar 2016

Zur Abwechslung hat Amerika mal ein anderes Gesprächsthema als Donald Trump und Cowboys, die eine Ranger-Hütte in einem Nationalpark besetzen. Es ist das Enfant Terrible Sean Penn, sein Treffen mit dem im letzten Jahr spektakulär geflüchteten Drogen-Baron Joaquin 'El Chapo' Guzman und dessen Verhaftung am letzten Freitag. Sean Penn - je nach Ansicht genialer Schauspieler oder Platzverschwendung auf der Leinwand - hat schon in verschiedensten Krisengebieten Reportagen gemacht. Im letzten Jahr hatte er die Idee, sich ein Bild über den amerikanischen «War on Drugs» (WoD) - oder eben Krieg gegen die Drogen - von der anderen Seite her zu machen. Er wollte dazu den berüchtigten Drogen-Baron 'El Chapo' Guzman interviewen, der gerade eben erst - etwas mehr als ein Jahr nach seiner Festnahme nach einer 13 Jahre währenden Flucht - spektakulär mit einem Motorrad durch einen 1.5 km langenTunnel aus dem Gefängnis getürmt war.

Penn schaffte es tatsächlich, im letzten Oktober ein erstes Treffen vor einem Interview mit 'El Chapo' (unter extremsten Sicherheitsvorkehrungen von Seiten des Drogen-Kartells) und mithilfe der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo hinzukriegen, die selbst durch die Darstellung von Drogenbaroninnen berühmt geworden ist.

Die abenteuerliche Geschichte bis zu diesem Treffen im Urwald und das darauf nur über Blackberry und Videos geführte Interview lässt sich online auf der Website von Rolling Stone nachlesen.

Etwas lässt sich mit Sicherheit sagen: An politischem Journalismus hat Penn sehr wenig geliefert. Er zitiert die Zahlen der Toten und kritisiert den gescheiterten und Sündteuren WoD der USA. Doch dies sind bekannte Fakten. Über El Chapo erfahren wir einfach, wie sich dieser selbst präsentierte. Eben nicht als geifernder Psychopath, nicht als ein in Blut watendes Monster. Stattdessen stellt der sich als Familienmensch dar, als nicht unliebenswerten Mann, der einfach das eine Geschäft betreibt, das sich ihm in der bitterarmen Provinz geboten hat und nur Gewalt anwende, wenn es sich nicht vermeiden lasse.

Und ja, er sei der grösste Lieferant aller möglichen Drogen, die mit Flotten von Flugzeugen, Lastwagen und U-Booten transportiert würden, aber er sei eben ein Geschäftsmann, der nur mache, was gemacht werden müsse.

Zudem habe der Drogen-Boss Dinge in die Provinz gebracht, für die eigentlich die Regierung zuständig wäre. Spitäler, Strassen, Schulen. fast ein Robin Hood also.

Doch der Haken ist der, dass die Regierung von Mexiko und die Drogenbekämpfer in den USA vielleicht versagt haben, doch das macht den Multimilliardär Guzman, der sich bitter darüber beklagt, mit seinem schmutzigen Geld nicht in den legitimen Energiesektor expandieren zu können, noch lange nicht zum geheimen Helden.

Wenn sich Penn als Journalist aufspielt, vermeidet er es (sich) daran zu erinnern, dass Journalisten in den Drogen-Provinzen gleich im Dutzend umgebracht werden und die Wahrheit jenseits jener, die 'El Chapo' für sich gebucht hat, von diesem nicht wirklich gefragt ist. Im Gegenteil.

Die Empörung vieler US-Politiker, die seit drei Jahrzehnten eine Drogenpolitik verfolgen, von der man seit mindestens zehn Jahren weiss, dass sie gescheitert ist, über Penns Reise riecht penetrant nach der Wut jener, die es hassen, wenn ihr Märchen von einem anderen Märchen herausgefordert wird. Die Wut vieler Journalisten hingegen ist absolut echt. Vor allem die jener mexikanischen Journalisten, die, von der Regierung im Stich gelassen, vor den Kartellen aus ihrer Heimat flüchten mussten, um nicht ihren Kollegen ins Grab folgen zu müssen.

Der Penn'sche Unterhaltungsjournalismus - sein Bericht liesst sich streckenweise wie ein Abenteuerroman - diente von dem her lediglich ihm selbst und El Chapo, der die Endversion auch noch vor der Veröffentlichung absegnen konnte. Beide sonnen sich im Licht der Berühmtheit beziehungsweise der Infamie des jeweils anderen.

Der Einwand, dass Penn eben darauf pocht, als 'neutraler' Beobachter aufzutreten, zählt nicht. Er weiss und wusste von den tausenden Toten auf dem Gewissen Guzmans, wusste von Hinrichtungsorgien, toten Jorunalisten, Drogenopfern und dem gigantischen Profit, der mit den Drogen erzielt wird. Und er sollte wissen, dass Guzmans Erklärung, warum der das mache (sonst macht es jemand anderes), direkt aus dem Lehrbuch von Kriegsverbrechern und Folterknechten stammt. Ebenso sollte es Penn klar sein, dass sein 'journalistisches Privileg' Guzman zu treffen, vor allem auf der Eitelkeit des Drogenbosses geschuldet war, der über seine Anwälte ja auch schon über Filmrechte für seine Story am verhandeln war.

Das ständige Verweisen auf den «Familienmenschen» Guzman, das wiederholte Fragen nach seiner Mutter, nach seinem Verhältnis zu seinen Kindern. das alles ist absolut irrelevant im Kontext des Drogenkrieges. Doch es erinnert fatal an den heutigen Umgang mit geschichtlichen Gestalten, wie zum Beispiel Nazigrössen, deren Privatleben und Persönlichkeit zum Anlass genommen wird, (wie im letzten Weltwoche-Editorial von Roger Köppel über Hitlers langjährige Nummer 2 Herman Göring, übrigens basierend auf einer 40 Jahre alten, geschichts-wissenschaftlich völlig überholten Biographie), deren Abscheulichkeiten zu relativieren oder als bedauerliches Ereignis, dass diesen Personen einfach passierte, darzustellen und nicht als opportunistische, rücksichtslose Bereicherung ihrer selbst, für dass sie Krieg, Völkermord und Konzentrationslager nicht nur in Kauf nahmen sondern bewusst vorantrieben.

Penn fiel wohl der kognitiven Dissonanz zum Opfer, an der alle Leiden, die einem von Regierungen, Medien und kulturellen Stereotypen hinauf gehypten «Überbösewicht» begegnen und der dann eben nicht wie ein «Joker» in Batman oder «Immortan Joe» in Mad Max aussieht. Sondern eher wie der italienische Bäcker, bei dem man vor Weihnachten den Panettone holt.

Doch eben. Wenn man manchen Biographen und Pseudo-Historikern glauben schenkt, waren ja auch Himmler, Heydrich und Göring ganz reizende Menschen. Von Stalin ganz zu schweigen. Warum denn nicht auch El Chapo? Von dem her hat Penn einfach dem Zeitgeist einen Dienst geleistet. Ein Jammer, das Guzman nun verhaftet worden ist, sonst hätte er auch noch Penns Facebook-Freund werden können. Jammerschade um die tiefschürfenden Einsichten, die uns da entgangen sind.


Links zum Artikel:

Penns Reportage im Original Der ganze Bericht über den Besuch von Penn bei El Chapo.


 Kommentare 
Ihre Meinung interessiert uns. Machen Sie mit und diskutieren Sie aktiv mit anderen nachrichten.ch Lesern.
» Ihr Kommentar


nachrichten.ch 1

«Ausländer-Kredit» für Investitionen in der Heimat? Immer öfter - gerade auch vor den Ferien - wird das Beratungsteam von kredit.ch angefragt, ob auch in der Schweiz lebende Ausländer die Möglichkeit haben, einen günstigen, fairen Kredit zu erhalten. Fortsetzung




Archiv

Patrik Etschmayer
Gute alte Zeit? Warum die Türe zu bleiben muss!


Peter Achten / Peking
Modell für die ganze Welt?


Regula Stämpfli
Es ändert sich nichts


Patrik Etschmayer
GA-CH: Das Halb-Millionen-Franken Schnäppchen


Peter Achten / Peking
Die Grosse Unordnung


Regula Stämpfli
Markt für Flüchtlinge


Patrik Etschmayer
ROSS for Bundesrat?


Peter Achten
«Verantwortungsvoller Atomstaat»


Regula Stämpfli
Armeechefs ohne Demokratie


Patrik Etschmayer
Tipps zum sicheren Abheben


Peter Achten / Peking
Das Jianbing-Staatsgeheimnis


Regula Stämpfli
Abschied von der Konkordanzschweiz


Peter Achten / Peking
Golf mit proletarischem Schwung


Patrik Etschmayer
Die wahren Verfolgten


Regula Stämpfli
Konzernrecht bricht Verfassungsrecht


Patrik Etschmayer
Initiative für die bedingungslose Briefkastenfirma


Peter Achten / Hanoi
Pho von Frau Lam


Regula Stämpfli
Sozialsystem oder Bedingungslosigkeit


Patrik Etschmayer
Drápas für Diktatoren


Peter Achten / Peking
Krasser SwissTaste


Regula Stämpfli
Maurer-Papers: Volksvertreter? Bankensprecher!


Patrik Etschmayer
Regierung oder Waschmaschine?


Peter Achten / Peking
«Das sind keine Träume»


Regula Stämpfli
Bürokratische Monster


Patrik Etschmayer
Tun als ob ... oder einfach tun, ganz ohne 'ob'


Peter Achten / Peking
Eisenbahn der Superlative


Regula Stämpfli
Kontrollieren mich die Tatsachen?*


Patrik Etschmayer
Erdowie, Erdowo, Erdowan!


Peter Achten / Peking
«Rücksichtslos die Axt anlegen»


Regula Stämpfli
Kampf der Kulturen? Welche Kultur denn?


Patrik Etschmayer
Kurssprung der Angst-Aktien


Peter Achten / Peking
Kleines Geschäftchen in der Grossen Halle


Regula Stämpfli
Lobbys machen Lobbykritik


Patrik Etschmayer
Alternative für Drumpf!


Peter Achten / Peking
Realpolitik pur


Regula Stämpfli
Ideologischer Mehltau


Patrik Etschmayer
Gebrauchtwagenhändler als Präsident!


Peter Achten, Bejing
Probleme im Tiefwasser


Regula Stämpfli
Geldsorgen gefährden Ihre Gesundheit


Patrik Etschmayer
SVP lanciert Ende Jahr EAI (Eliten-Ausschaffungs-Initiative)


Peter Achten / Peking
«Wir sind absolut loyal!»



Saudi-Arabien: Franken hui -Flüchtlinge pfui


Patrik Etschmayer
Und alle zusammen: ChuchiCHexit!


Peter Achten / Peking
«Sehnsucht nach Fussball»


Regula Stämpfli
Frauenkörper und Politik


Patrik Etschmayer
Die 500-Euro Frage


Peter Achten
Neunerprobe für die «Lady»


Regula Stämpfli
Rassismus für Glaubwürdige


Patrik Etschmayer
Hassen in der Blase


Peter Achten / Peking
Affen-Kälte - Affen-Hitze


Regula Stämpfli
Schiessbefehl gegen Journalisten


Patrik Etschmayer
Die Quartals-Realität


Peter Achten
Politisch korrekt und stabil


Regula Stämpfli
Demokratie geht immer


Patrik Etschmayer
Reppy for President?


Peter Achten / Peking
«Sichere» Zigaretten?


Regula Stämpfli
Der Politologe schützt das Volk


Patrik Etschmayer
«Keine Präsenz ohne Honorar»


Peter Achten / Peking
Status Quo mit Distanz


Regula Stämpfli
Im Bett mit Varoufakis


Peter Achten / Peking
Regionaler Morast in Ostasien


Regula Stämpfli
Speichelpolizei Bern


Patrik Etschmayer
Wenn der Rand ins Zentrum schleicht


Peter Achten / Peking
Tief einatmen!


Regula Stämpfli
Die Vorteile von Menschen mit Menstruationshintergrund


Patrik Etschmayer
Rückblick auf das nächste Jahr: Teil 2


Peter Achten / Peking
Le Petit Prince à la chinoise


Regula Stämpfli
UBER-Lösung: Die Deklaration der Daten-Unabhängigkeit


Patrik Etschmayer
Rückblick auf das nächste Jahr: Teil 1


Peter Achten / Peking
Hong Kong: Pressefreiheit in Gefahr?


Regula Stämpfli
Die Zeichensprache des Bösen


Patrik Etschmayer
Wo die Wahrheit zum Sterben hin geht


Peter Achten / Peking
Roter Wahlabend in Peking


Regula Stämpfli
Gewählt ist: Hashtag


Patrik Etschmayer
Die faschistische Internationale auf dem Vormarsch


Peter Achten / Peking
Kohl und Kohle - Atemlos


Regula Stämpfli
Einmal Lüge, immer Lüge


Patrik Etschmayer
Sparen wir die Zukunft weg!


Peter Achten / Peking
Der rosarote Hunderter


Regula Stämpfli
Phänomenomics(TM): Viagra übernimmt Botox


Patrik Etschmayer
Mauern mit Donald


Peter Achten
Xi, Obama und das «Great Game»


Regula Stämpfli
Mörderische Ordnungsprinzipien


Patrik Etschmayer
Die Geier des Grauens


Regula Stämpfli
Die Gegenwart der Geschichte


Peter Achten
Dritter Anlauf zur Demokratie



Alles an seinen Platz


Peter Achten / Peking
Nach dem Holz- der Kohle-Ausstieg?


Regula Stämpfli
«Haha» sagt der Clown: Über Dämonen in der Politik


Patrik Etschmayer
Die Suche nach dem Homosexualitäts-Gen: Schwachsinn oder Notwendigkeit?


Peter Achten / Peking
«Es gibt keine Abkürzungen»


Regula Stämpfli
#Wurstgate&Biopolitik


Patrik Etschmayer
Weltuntergangsbeleuchtung oder Chance?


Peter Achten / Peking
Kai Dang Ku - Windelweich


Regula Stämpfli
Rechts«rutsch» dank Finanzkrise


Patrik Etschmayer
Blocher-Clan


Peter Achten / Peking
Grenzen der Armut


Regula Stämpfli
Marke Schweiz: Frauenverhöhnung


Patrik Etschmayer
Akrasia und die Krisen


Peter Achten / Peking
Zwei-Kind-Familienpolitik?