Patrik Etschmayer / Quelle: news.ch / Freitag, 29. April 2011 / 12:19 h
Royalisten führen gerne allerlei Gründe an, warum Könige und ähnliches Gesox für eine Gesellschaft von grossem Nutzen seien. Das Volk bekomme so Identifikationsfiguren, eine Nation erhalte so ein Symbol in Gestalt eines Menschen und ähnlicher Kokolores wird da verzapft. Dabei sind Adlige als Identifikationsfiguren in ungefähr so geeignet wie Bank-CEO's. Oder noch weniger.
Warum? Adel ist rein ererbt. Es gehörte einst zum zentralen Identifikationsmerkmal des Adels, dass dieser arbeiten liess - und selbst nichts tat. Dies ist dank diverser gesellschaftlicher Revolutionen und Evolutionen glücklicherweise nicht mehr so. So richtig nutzlos dürfen heutzutage nur noch die obersten Adels-Schichten sein - speziell in England, wo es ja noch das Oberhaus gibt, das immer noch eine gewisse, durch das Volk nicht legitimierte Machtelite ist und Gesetze zwar nicht verhindern, aber verzögern kann.
Um adlig zu werden, gibt es also etwa 3 Möglichkeiten: Man wird adlig geboren, von Königs oder Königinnen-Gnade in den Adelsstand erhoben oder - siehe Kate Middleton - man kommt aus einer reichen Familie und heiratet einen Adligen. Die letzte Variante lässt die ganzen Prinzessinnen Lillifee der Welt zwar hyperventilieren - so auch heute - aber ist am Ende ja eh nur einer der ewigen Treppenhauswitze der Geschichte.
Der Sinn der Einrichtung «Adel» war es immer schon, Macht auf einen bestimmten Personenkreis zu beschränken, deshalb war diese Erfindung der Mächtigen über Jahrtausende hinweg auch so erfolgreich, wenn es um die Machterhaltung ging.
Reiche Oberschicht verbandelt mit exclusivem Familienclan /


Das System scheint auch einem bestimmten Bedürfnis des Menschen zu entsprechen, so dass sich sogar manche Untertanen für jene erwärmen können, welche die Antithese zum produktiven Leben sind.
Die Fusion von Geldadel mit altem Adel, wie er heute mit allerlei Pomp vollzogen wird, ist eine der bewährten Vorgehensweisen, wie sich der Hochadel, an sich längst auf dem Müllhaufen der Geschichte, am Leben erhält uns seine Macht bewahrt und Reichtum so sprichwörtlich geadelt wird - wobei der Sinn dieses Handelns durchaus hinterfragt werden kann.
Das tragische an der ganzen Sache ist wohl, dass dort, wo es eigentlich keinen Adel mehr gibt, Ersatzstrukturen geschaffen werden, die scheinbar nur das Ziel haben, eine neue Elite zu etablieren. Wenn zum Beispiel in den USA gute Bildung, Gesundheit und Sicherheit nur noch jenen zukommen sollen, die viel Geld dafür bezahlen, bildet sich wieder automatisch eine Oberschicht, die genau so hermetisch abgeriegelt wie der klassische Adel ist.
Die Verteidigungslinien werden dabei - wie einst - von den Fusstruppen gehalten, die scheinbar fest daran glauben, dass dies alles seine Richtigkeit hat. So kann der Milliardär Donald Trump - vor allem, seit er die alte Tea-Party Kamelle wegen der angeblich nicht in den USA statt gefundenen Geburt Barack Obamas wieder ausgegraben hatte - fest darauf Zählen, dass viele 'kleine' Amerikaner sich für ihn und seine Privilegien ins Zeug legen werden.
Dass der neue Adel des Reichtums dabei meist viel weniger ins Auge sticht wie der alte des Blutes ist dabei eine Stärke dieser neuen Machtelite, zeigen sich deren Mitglieder doch nur dann in der Öffentlichkeit, wenn es unbedingt nötig ist. Doch wer auch immer in diese stratosphärischen Höhen geboren wird, dürfte sein Leben nur unter seinesgleichen verbringen, dezent, reich und im Gegensatz zu den Mitglieder des alten Adels, unbehelligt von der Yellow-Press, während willige Gesetzgeber dafür sorgen, dass Macht und Vermögen unangetastet bleiben. Ein Hinweis darauf findet sich zum Beispiel in den Statistiken, die einen immer grösseren Teil des Vermögens und Einkommens bei einer immer kleineren Gesellschaftsschicht finden.
So gesehen ist der Adel längst beerbt worden ... nur schaut dort kaum mehr jemand hin, während eine Prinzen-Hochzeit immer noch ein Ereignis ist.