Genaue Zahlen gebe es für die Schweiz zwar nicht, aufgrund von repräsentativen Befragungen in Nachbarländern könne davon ausgegangen werden, dass auch hier etwa jeder fünfte alte Mensch psychische oder physische Gewalt erlebe, sagte Albert Wettstein, Präsident der UBA-Fachkommission. Im Kanton Zürich seien es jährlich fast 70'000 Fälle.
Neben körperlicher und seelischer Gewalt gehöre auch Vernachlässigung zu den Formen der Misshandlung von alten Leuten. Sie geschehe in allen Schichten, Männer und Frauen seien gleichermassen betroffen.
In den letzten Jahren habe die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) vor allem Fachleute und Laien für das «unbequeme Thema» sensibilisiert, sagte UBA-Präsidentin Monika Stocker.
Im Kanton Zürich gibt es jährlich fast 70'000 Fälle von Betagtenmisshandlungen. (Symbolbild) /


Aktuell liege der Fokus auf pflegenden und betreuenden Angehörigen.
Ohne «moralischen Finger»
Es sei normal, wenn diese an Grenzen stossen, insbesondere wenn sie bei dieser Aufgabe allein gelassen würden, sagte die frühere Stadtzürcher Sozialvorsteherin. Sie fordert deshalb ein flächendeckendes und umfassendes Unterstützungssystem für die pflegenden Angehörigen.
Die UBA ZH/SH versteht sich als wichtigen Teil dieses Unterstützungssystems. Sie leiste kostenlos, unkompliziert, professionell «und ohne moralischen Finger» Hilfestellung bei Konflikten, die in der Betreuung von alten Menschen entstehen, sagte Stocker.
Niederschwelliges Angebot
Laut UBA-Geschäftsführerin Brigitta Bhend ist die niederschwellige Anlaufstelle eine gute Ergänzung zu anderen Beratungsstellen sowie zu kantonalen und städtischen Ombudsstellen. Wenn es um Fälle im privaten Bereich gehe, werde die unabhängige Stelle oft der staatlichen Stelle vorgezogen.
Die Beschwerdeführenden werden von ehrenamtlich für die UBA tätigen Fachpersonen aus den Bereichen Medizin, Pflege, Versicherungen und Recht in erster Linie beraten und begleitet, um selbst die nötigen Schritte unternehmen zu können. Bei rund 60 Prozent der Beschwerden gelinge es, eine für alle Beteiligten annehmbare, einvernehmliche Lösung zu finden.
In rund fünf Prozent der Fälle werden - in Absprache mit den Beschwerdeführenden - übergeordnete Instanzen benachrichtigt oder rechtliche Schritte eingeleitet.