Durch den steigenden Kurs des Yen sinken die Exportzahlen der seit Jahrzehnten chronisch kranken Wirtschaft ins Bodenlose. Als ein auf Hochtechnologie konzentriertes Land steht Japan in direkter Konkurrenz mit der EU inklusive dem Schwergewicht Deutschland, dessen Exporte durch den schwächeren Euro boomen.
Dass Japan in absehbarer Zeit wieder Boden unter die Füsse bekommt, ist nicht zu erwarten, denn die Handlungsspielräume des japanischen Finanzministers sind äusserst begrenzt.
Japans Volkswirtschaft steht und fällt mit dem Export. Doch die Hauptabnehmer der japanischen Güter - die USA und Australien - sind wenig an einem schwächeren Yen interessiert. «Der amerikanischen Regierung ist die derzeitige Situation ganz recht, denn im Moment kaufen die Amerikaner wieder vermehrt heimische Produkte, beispielsweise Autos», erklärt Erwin Pollex von der deutschen Vermögensverwaltungsgesellschaft Incam. Durch den stärkeren Yen wirken die japanischen Produkte auf den Absatzmärkten teurer als andere, die Verkaufszahlen sinken.
Europa profitiert
Um den Kurs des Yen zu senken, bleibt der japanischen Notenbank und der Regierung wenig übrig.
Ein US-Dollar kostet jetzt 83,60 Yen, soviel wie seit 15 Jahren nicht. /


«Das einfachste Mittel zur Senkung wäre, die Nachfrage nach dem Dollar weltweit zu heben», sagt Pollex. Dadurch würden japanische Produkte im Vergleich billiger und die Gewinne beim Rücktransfer steigen. «Man könnte auf der anderen Seite auch eigene Anleihen herausgeben. Die sind jedoch schlecht zu platzieren, weil die Zinsen immer noch auf einem historischen Tief sind», so der Experte.
Der EU, allen voran Deutschland, nutzt indes von der japanischen Malaise. «Die deutschen Exportzahlen sind relativ gut, weil Deutschland davon profitiert, dass die Waren im Export in Relation günstiger geworden sind», sagt der Japan-Experte.
Pollex unterstreicht im selben Atemzug die Vorteile der Wirtschafts- und Währungsunion: «Viele vergessen die Vorteile des Euro bei diesem Spiel. Statt innerhalb Europas die Währungen in einem Wettlauf abzuwerten, kann sich beispielsweise das produzierende Gewerbe auf den Euro verlassen.»