Zum ersten Jahrestag der Tötung des ehemaligen Al Kaida-Anführers Osama Bin Laden veröffentlichte Barack Obamas Wahlkampfteam diese Woche einen emotional aufgeladenen TV-Werbespot, der die Entscheidung des Präsidenten für die Mission gegen Bin Laden als besonders positiv herausstellt.
Darin tritt der ehemalige Präsident Bill Clinton auf, der über die möglichen Risiken sinniert, die Obama dabei zu bedenken hatte: Amerikanische Soldaten hätten dabei gefangen genommen oder getötet werden können; zudem bestand die Möglichkeit, Bin Laden nicht zu finden.
«Er musste entscheiden», doziert Clinton vor dramatischen Klavierklängen im Hintergrund. «Und genau dafür wird ein Präsident gewählt.»
Das Werbevideo erzürnt die Republikaner, da ihrem Präsidentschaftskandidaten darin unterstellt wird, er hätte möglichweise eine andere Entscheidung getroffen. So wird in dem Video daran erinnert, dass sich Romney im Jahr 2007 ausdrücklich gegen die Jagd auf den Terroristenführer ausgesprochen hatte.
«Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen und Milliarden von Dollar auszugeben, nur um eine Person zu jagen, das ist unsinnig», hatte der heutige Präsidentschaftskandidat damals gesagt.
Wahlwerbung am Jahrestag der Tötung Bin Ladens
Das Video war nicht das einzige, was die Amerikaner an den Jahrestag der Tötung Bin Ladens erinnerte. Obama machte einen Überraschungsbesuch in Afghanistan, um mit seinem Amtskollegen Hamid Karsai in Kabul ein strategisches Partnerschaftsabkommen zu unterzeichnen, das den geplanten Abzug des Grossteils der US-Truppen im Jahr 2014 vorbereiten soll.
Die Kombination aus Wahlkampf-Spot und Überraschungsbesuch schien ein Bild Obamas als entschlossener Oberbefehlshaber vermitteln zu wollen, der den Krieg, den er nach Bin Ladens Terroranschlägen vom 11. September begonnen hat, nun beenden wird.
Bill Clinton im Werbefilm für Obamas Wiederwahl. /


Romney blieb nur, zu erklären, dass er die Jagd auf Bin Laden zwar abgelehnt, ihr Ergebnis aber durchaus begrüsst habe.
«Ich glaube, es war ein sehr enttäuschender Versuch des Präsidenten, dieses Thema zu einem Politkum zu machen, indem er suggeriert, ich hätte eine solche Hetzjagd damals nicht angeordnet», sagte Romney dem Sender CBS. «Natürlich hätte ich das getan. Jeder denkende Amerikaner hätte diese Jagd angeordnet. Aber natürlich wird die Tötung Bin Ladens nun als Erfolg des Präsidenten gewertet.»
Jonathan Mann
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Seine Kolumne steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung. Mehr über das US-Wahljahr 2012 unter http://edition.cnn.com/ELECTION/2012.