Wortführer der Anti-Blatter-Fraktion ist Wolfgag Niersbach, der Chef des Deutschen Fussball-Bundes (DFB). «Für uns wie für alle Europäer gilt nach wie vor, was Joseph Blatter beim UEFA-Kongress 2011 in Paris offiziell gesagt hat. Damals hatte er erklärt, dass die laufende Amtszeit definitiv seine letzte sein werde. Dass er jetzt scheinbar anders disponiert, haben wir bisher nur den Medien entnehmen können», sagte Niersbach in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.
Lässt sich Blatter wie von ihm selbst medial mehrfach angekündigt beim FIFA-Kongress am Dienstag und Mittwoch im Transamérica Expo Center von São Paulo von seinen Gefolgsleuten als Kandidat für eine fünfte Präsidenten-Amtszeit ausrufen, droht dem Weltverband eine neue Eskalationsstufe. Dabei gibt es doch durch Massenproteste in Brasilien Turbulenzen genug. Einen Tag vor Kongressbeginn werden zudem die Untersuchungen von Chefermittler Michael Garcia zur skandalumwitterten WM-Vergabe 2022 an Katar abgeschlossen.
Sepp Blatter spaltet die Gemüter. /

Niersbach dementiert Gerüchte
Mit seinen Aussagen macht sich Niersbach zur Speerspitze von UEFA-Chef Michel Platini, dem erwarteten Gegenspieler Blatters bei der FIFA-Wahl im Mai 2015. «Ich halte es für richtig, dass Michel Platini erst einmal den Lauf der Dinge abwartet, ehe er sich öffentlich erklärt», sagte Niersbach über die noch passive Haltung des Franzosen. Eine in englischen Medien kolportierte eigene Kandidatur um den FIFA-Chefposten, schloss Niersbach aus. «Ich habe davon auch gehört und gelesen, aber es ist absolut nichts dran an diesem Gerücht.»
Es gehört zu den historischen Eigenheiten eines FIFA-Kongresses, dass ein Präsidentschaftswahlkampf die Aufmerksamkeit vor einer WM vom Turnier ablenkt. Deshalb hatte die FIFA die bis 2002 üblichen Wahlkongresse extra von den Turnier-Jahren abgekoppelt. Die Person Blatter spaltet mittlerweile aber derart extrem, dass nun schon ein Jahr vor der Wahl am 29. Mai 2015 heftig debattiert wird.