«Die Kosten der Ausbildungslosigkeit sind enorm», sagte Martin Flügel, Präsident von Travail.Suisse, vor den Medien in Bern mit Verweis auf die von Travail.Suisse veranlasste Studie des Büro BASS.
Höhere Sozialkosten und geringere Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge kämen die Gesellschaft langfristig teuer zu stehen, sagte Flügel. Der Staat müsse darum ein Interesse haben, Personen ohne Lehrabschluss eine Ausbildung zu ermöglichen.
«Sparpotenzial nutzen»
«Wenn beispielsweise ein ungelernter 25-jähriger Erwachsener eine vierjährige Lehre machen kann, dann werden gesellschaftliche Kosten von gegen 400'000 Franken vermieden», rechnete Flügel vor. «Dieses Sparpotenzial muss genutzt werden.»
Travail.Suisse wolle Arbeitslosigkeit und Armut an den Wurzeln bekämpfen anstatt gegen Symptome vorzugehen. Ausbildung vor Integration heisst die Losung. «Bei Personen ohne Ausbildung ist das Streben nach einer möglichst raschen Integration in den Arbeitsmarkt verkehrt», sagte Flügel.
Schnelle Integration durch unqualifizierte Arbeit?
Allzu oft heisse schnelle Integration die Annahme einer unqualifizierten Arbeit zu geringem Lohn.



Martin Flügel: «Die Kosten der Ausbildungslosigkeit sind enorm.» /


Damit verbunden sei eine hohe Rückfallquote. «Die rasche Integration widerspricht einer nachhaltigen Integration diametral», sagte Flügel.
«Ein Umdenken bei der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe ist nötig». Priorität müsse haben, den Arbeitslosen eine Ausbildung mit Berufsabschluss zu ermöglichen. Dies gelte im Übrigen nicht nur für Jugendliche, sondern auch für 40- und 50-Jährige.
Gemäss der Studie verdient ein Arbeitnehmender ohne nachobligatorische Ausbildung im Durchschnitt monatlich rund 1500 Franken weniger als einer mit Berufsabschluss. Folge davon: Menschen mit fehlender Ausbildung und Familie werden zu sogenannten Working poor - Armutsbetroffene trotz Berufstätigkeit.