Holen die Young Boys den Meistertitel? Schafft Luzern den Einzug in die Europa-League-Qualifikation? Steigt Aarau ab?
24 Jahre sind vergangen, seit die Young Boys letztmals die Trophäe für den Schweizer Fussball-Meister in ihren Besitz gebracht haben. Eine lange Durststrecke für den Berner Traditionsverein. Nun soll das Warten auf den nächsten Streich ein Ende haben. YB bietet sich morgen die Gelegenheit, den zwölften Titel einzufahren. Falls die Mannschaft von Vladimir Petkovic in Luzern mehr Punkte holt als der FC Basel in seinem gleichzeitig stattfindenden Heimspiel gegen Neuchâtel Xamax, kann in der Bundeshauptstadt eine zweite Meister-Party (nach jener des SCB) lanciert werden.
Erinnerungen an 1986
Allerdings wäre es eine Überraschung, wenn die Frage nach dem neuen Champion schon morgen beantwortet würde. Rivale Basel ist nach dem Cupsieg vom Sonntag euphorisiert. Von einem Ausrutscher der «Bebbi» gegen das recht harmlose Xamax darf nicht ausgegangen werden. Realistischer ist, dass es am Sonntag im Stade de Suisse zur «Finalissima» kommt.
Während YB fast aus dem Vollen schöpfen kann, hat Basel in der Person des verletzten Marco Streller eine gewichtige Absenz zu verzeichnen. Beim FCB müssen einige Akteure zittern, weil ihnen im Hinblick auf einen allfälligen Showdown am Wochenende eine Gelb-Sperre droht (beispielsweise Benjamin Huggel und Xherdan Shaqiri). Der kürzlich genesene Alex Frei wird das Feld vermutlich bloss für einen Teileinsatz betreten.
Für die Young Boys könnte ein gutes Omen sein, dass sie ihren elften Meistertitel einst in der zweitletzten Runde gewonnen hatten. Dieser Grosserfolg datiert vom 24. Mai 1986. Damals machten sich die Gelb-Schwarzen mit einem 4:1 beim ernsthaftesten Verfolger Xamax uneinholbar. Alexander Mandziara stach seinen Trainerkollegen Gilbert Gress souverän aus. Der Däne Lars Lunde, der sich zum Torschützenkönig kürte und anschliessend zu Bayern München wechselte, erzielte zwei Treffer. Als Aussenseiter in die Saison gestartet, nach 26 Jahren ohne Meistertitel und dank einer überragenden Rückrunde, kehrte YB auf den Königsthron zurück. Zum Kader gehörte auch der jetzige Sportchef Alain Baumann.
Probleme für Fischer und Tholot
Der FC Luzern seinerseits peilt mit guten Karten die Teilnahme am internationalen Geschäft an. Seit Sommer 2000 waren die Innerschweizer nicht mehr in einem UEFA-Klubwettbewerb vertreten.
24 Jahre ohne Meistertitel: Heute könnte die lange Durststrecke für Fans und Verein ein Ende haben. /

Können die Spieler nach dem Match jubeln? /


Anno dazumal hatten sie sich unter Andy Egli in der Startrunde des eher unbedeutenden und inzwischen abgeschafften UI-Cups gegen die isländischen Amateure von Leiftur Olafsfjördur auf der ganzen Linie blamiert.
Der 4. Rang kann Luzern praktisch nur noch von Sion streitig gemacht werden. Die Walliser, die vier Zähler weniger auf dem Konto haben, gastieren beim FC Zürich, der aktuell ohne Selbstvertrauen eine Ohrfeige nach der anderen kassiert. Urs Fischer konnte den Turnaround noch nicht herbeiführen. Sein Antipode auf der Seite von Sion, Didier Tholot, steht wie so oft unter Druck. Wenn die Europa-League-Quali verpasst werden sollte, dürften die Tage des Franzosen gezählt sein. Sein Chef Christian Constantin duldet keine Halbheiten.
Goodbye «Zelli»! - Goodbye Aarau?
Weiter zurückblättern muss man in den Geschichtsbüchern, um herauszufinden, wann Aarau letztmals aus der höchsten Schweizer Spielklasse abgestiegen ist. Es war am 17. Mai 1936, als sich die Aargauer nach einem 2:2 gegen St. Gallen für eine Weile aus der Beletage des nationalen Fussballs verabschiedeten. 1981 fanden sie Wiederaufnahme im Oberhaus, und seither gelten sie als die «Unabsteigbaren», weil sie der Relegation immer entrinnen konnten.
Heuer ist die Situation besonders brenzlig. Wenn sich Bellinzona morgen in St. Gallen drei Punkte sichert und der dreifache Meister Aarau (ohne den verletzten Top-Torschützen Aco Stojkov) dieses Kunststück gegen die Grasshoppers (mit ex-FCA-Profi Ciriaco Sforza an der Seitenlinie) nicht gelingen sollte, ist das Schicksal der Mittelländer besiegelt. Im wahrscheinlicheren Fall wird am Sonntag zwischen den beiden Kellerkindern im Comunale-Stadion eine kleine «Finalissima» ausgetragen.
Die St. Galler dürften es dem auswärtsschwachen Bellinzona nicht leicht machen, haben sie doch mit den Tessinern noch eine Rechnung offen. Vor zwei Jahren mussten die Ostschweizer nach einer bitteren Pleite in der Barrage bei der Dernière im Espenmoos den Gang in die Challenge League antreten. Bei St. Gallen steht die morgige Partie im Zeichen des Abschieds von Marc Zellweger. Der Publikumsliebling läuft noch einmal im grün-weissen Dress in der AFG-Arena auf.