Unklar war die Lage in der östlich von Bengasi gelegenen Stadt Al-Baidha. Medien der Opposition berichteten, die Armee-Brigade von Gaddafis Sohn Chamies habe damit begonnen, die Demonstranten zu vertreiben. Zuvor hatte es geheissen, dass sich Polizisten und Oppositionelle verbrüdert hätten und Teile der Stadt kontrollierten.
Die Brigade des Gaddafi-Sohnes, der auch Afrikaner aus anderen Ländern angehören sollen, ist laut einer Depesche der US-Botschaft vom Dezember 2009 die am besten ausgebildete und ausgerüstete Einheit der libyschen Streitkräfte.
In Al-Baidha sollen seit Donnerstag nach unbestätigten Augenzeugenberichten mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter auch mehrere Soldaten. Die Zahl der Toten in Bengasi wurde mit 14 angegeben.
In den von Gaddafis Sohn Seif al-Islam gegründeten semi-unabhängigen Medien wurde am Freitag ebenfalls eingeschränkt über die Proteste in Bengasi berichtet. So meldete die Zeitung «Qurina» ebenfalls, in Bengasi seien 14 Zivilisten getötet worden, nachdem Demonstranten mehrere öffentliche Gebäude in Brand gesetzt hätten.
Ein unabhängige Berichterstattung über die Unruhen in Libyen gibt es momentan nicht.
In Libyen liefern sich Polizei und Demonstranten Strassenschlachten. /


Die Informationen stammen oft von in Europa lebenden libyschen Oppositionellen, die telefonisch in Kontakt mit ihre Heimat stehen. Zudem gibt es sporadisch Videos und Bilder, die angeblich von Protesten in Libyen stammen. Das Ausmass der Proteste ist deshalb schwer abzuschätzen.
Opferzahl bleibt unklar
Unklar bleibt auch die Opferzahl seit Beginn der Proteste am Dienstag. Soziale Netzwerke berichteten von bis zu 50 Toten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) töteten Sicherheitskräfte mindestens 24 Demonstranten.
Gaddafi ist bereits seit mehr als 40 Jahren an der Macht. Viele Libyer beklagen Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit und begrenzte politische Freiheiten. Gleichwohl halten Beobachter einen Volksaufstand wie im Nachbarland Ägypten für unwahrscheinlich. Denn die libysche Führung kann den Öl- und damit auch den Geldhahn aufdrehen und so viele soziale Probleme mildern.