Die Walliser sind heute Abend (20.15 Uhr) im heimischen Tourbillon gegen den letzten verbliebenen Unterklassigen klar zu favorisieren. Nachdem der FC Zürich am Ostermontag ausgeschieden ist, ist klar, dass der Cupfinal im Basler St.-Jakob-Park zu einer frankophonen Angelegenheit wird. Es würde der Logik entsprechen, wenn die Trophäe des K.o.-Wettbewerbs an den FC Sion geht. Die Rot-Weissen sind am höchsten einzustufen und gelten schweizweit als die Cup-Spezialisten schlechthin. Elfmal haben sie sich seit 1965 für den Final qualifiziert und all diese Endspiele siegreich gestaltet. Nur die Grasshoppers haben diesen Pokal öfter gewonnen (18-mal).
Xamax und Biel hingegen warten immer noch auf ihren ersten Cupsieg. Die Neuenburger sind schon viermal im Final gestanden, bei jeder Gelegenheit zogen sie den Kürzeren, 1974 gegen Sion. Biel unterlag 1961 bei seiner einzigen Endspiel-Teilnahme La Chaux-de-Fonds. Trotz der Niederlage ist dies neben dem Meistertitel 1947 eines der Highlights in der Vereinsgeschichte.
Sion mit Mini-Trainingslager nach «Road Trip»
Das eher unerwartete Out des FCZ hat unter den Sion-Fans eine Euphorie entfacht. Die Anhängerschaft lechzt nach dem nächsten Coup im Cup. Trainer Laurent Roussey liess sich von der Ekstase nicht anstecken. Als der Franzose zu Finalist Xamax befragt wurde, winkte er ab. «Wir dürfen nicht so weit vorausdenken», sagte Roussey. Er hütet sich davor, Biel zu unterschätzen: «Wir müssen uns vor Augen führen, dass uns nicht ein Unterklassiger begegnet, sondern jenes Team, das im laufenden Cup-Wettbewerb bereits Luzern und Titelverteidiger Basel eliminiert hat.» Roussey hat die Berner in deren letztem Meisterschaftsspiel (1:2-Niederlage in Delsberg) beobachtet. Er berichtete, Biels Kombinationsstärke in der Offensive habe ihn beeindruckt. Seine Formation kann als Argument dagegen halten, dass sie die statistisch beste Abwehr der Axpo Super League stellt.
Der Druck lastet auf Sion.
Biels Trainer Philippe Perret und Sions Präsident Christian Constantin. /


Der allmächtige Präsident Christian Constantin würde wohl einen Ausrutscher nicht goutieren. Der angestrebte Platz im Europacup wäre in Gefahr. Um sich in Ruhe auf die wichtige Partie von heute vorbereiten zu können, haben die Walliser ennet der Grenze in Evian ein Mini-Trainingslager eingeschaltet. Insider meinen, die Stimmung in der Mannschaft sei gut. Klub-Boss «CC» habe sich schon nervöser präsentiert. Sion kehrte am Wochenende von einem «Road Trip» zurück, der mit vier Punkten aus den Gastauftritten in Bellinzona und St. Gallen von Erfolg gekrönt war. Drei Spieler stehen dem Verein im ersten Cup-Heimmatch seit Dezember 2005 nicht zur Verfügung: Der beste Torschütze Dragan Mrdja fehlt noch lange nach seinem Kreuzbandriss von Mitte März, der Franzose Nicolas Marinist ebenfalls verletzt, und der brasilianische Innenverteidiger Adailton sitzt eine Sperre ab.
Alt-Internationale auf der Trainerbank
Biel ist die Überraschung dieser Cup-Saison. Die Seeländer zählen zu den «grauen Mäusen» der Challenge League. Sie haben in der zweithöchsten Division eines der kleinsten Budgets (rund 1,6 Millionen Franken) und den zweittiefsten Zuschauerschnitt bei Heimspielen (729). In der Bilingue-Stadt fristen die Fussballer im Vergleich mit den Nationalliga-A-Eishockeyanern seit geraumer Zeit ein Schattendasein. Im Kader sind die Halb-Profis in der Überzahl. Biel gilt mittlerweile auch als Auffangbecken für Spieler, die bei YB, Thun oder Xamax den Durchbruch (noch) nicht geschafft haben.
Trainer Philippe Perret und sein Assistent Robert Lüthi, zwei Schweizer Alt-Internationale, verstehen es, aus bescheidenen Mitteln viel herauszuholen. Biel hat sich in der Challenge League seit dem Aufstieg im Sommer 2008 im Mittelfeld der Tabelle etabliert. Momentan ist das Team an 9. Stelle klassiert. Aufgrund schwacher Leistungen im April ist die Equipe in der Rangliste ein bisschen abgerutscht. Sie konnte aus den letzten vier Spielen lediglich einen Zähler ergattern.