Auf ERT World äusserten viele Prominente aus Wissenschaft und Kultur ihre Empörung und ihre Fassungslosigkeit über den Sparschritt der griechischen Regierung. Der Sprachwissenschaftsprofessor Giorgos Babiniotis sprach von einem Anschlag auf die Meinungsfreiheit.
Es gebe zwar viele Kritikpunkte am öffentlich-rechtlichen Rundfunk Griechenlands. Darüber müsse man aber diskutieren und könne dann Verbesserungsmassnahmen einleiten.
Eine Schliessung der ganzen Sendeanstalt mit der Ankündigung einer späteren Wiedereröffnung eines irgendwie gearteten öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei aber masslos überzogen. «Wir wissen nicht einmal, wann die neue Station auf Sendung gehen soll», sagte Babiniotis.
«Nicht einmal die Nazis hätten so etwas getan!»
Ein Schauspieler, der um Worte rang, sagte, so etwas hätten nicht einmal die Nazis getan, nachdem sie 1941 Griechenland besetzt hätten. Auch unter der Militärdiktatur von 1967 bis 1974 sei die Sendeanstalt nicht geschlossen worden.
Genützt haben die Proteste bislang nichts: Um 23.44 Uhr (MESZ) wurde auch dem über Satellit verbreiteten Auslandssender ERT World der Stecker gezogen.
Griechische Journalisten streiken
«Wir werden solange streiken, bis die Regierung ihren Beschluss zurücknimmt», sagte der Präsident des Verbandes der Athener Zeitungsredakteure (ESIEA), Dimitris Trimis, der Nachrichtenagentur dpa.
Nicht mal mehr einen nationalen Fernsehsender kann sich Griechenland leisten. (Symbolbild) /


Wegen des Streiks wird es am Donnerstag in Griechenland keine Zeitungen geben.
In der Nacht wurde ein staatliches TV-Programm nach dem anderen abgeschaltet. Auch die öffentlichen Radiostationen stellten den Sendebetrieb ein. Zuvor hatte das griechische Finanzministerium erklärt, dass der staatliche Fernseh- und Hörfunksender ERT nicht mehr existiere.
Bisherige Angestellte des Staatsfernsehens blieben jedoch am Morgen in einem Studio des Zentralgebäudes und sendeten via Internet. Dabei kritisierten sie den Beschluss, den Sender ERT zu schliessen, scharf. Nach neuesten Angaben der Gewerkschaft der ERT-Angestellten verlieren 2656 Menschen ihre Arbeit.
Geplant ist nach Angaben der Regierung, in den kommenden Monaten ein neues Konzept für einen kleineren staatlichen TV- und Hörfunk-Sender mit rund 1000 Mitarbeitern auszuarbeiten. Vorbild sollten die modernen öffentlich-rechtlichen Anstalten in Europa sein.