Das gilt als ordentliches und ehrliches Ergebnis, da Lindner zwei Gegenkandidaten - die zusammen auf gut 15 Prozent kamen - und einige Kritiker in verschiedenen Landesverbänden hatte.
Lindner forderte die Basis auf, die Niederlage abzuhaken und zu kämpfen: "Die Zeit der Trauerarbeit ist zu Ende." Als erste Bewährungsprobe für den bisherigen Bundesvize und nordrhein-westfälischen Landeschef gilt die Europawahl Ende Mai.
Rösler hatte bei seiner letzten Wiederwahl im März 85,7 Prozent bekommen. Lindners Herausforderer Jörg Behlen erhielt nun 9,4 Prozent, der zweite Gegenkandidat Götz Galuba rund 5,9 Prozent.
Kubicki wird Parteivize
Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden der schleswig-holsteinische Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki (89,9 Prozent), der Thüringer Landesvorsitzende Uwe Barth (87,3) und die Düsseldorfer Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (71,6) gewählt. Die Politikerin gewann das Duell gegen den Euro-Kritiker Frank Schäffler (24,8).
Neue Generalsekretärin der Partei wird Nicola Beer. Die scheidende hessische Kultusministerin wurde mit 84,3 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Patrick Döring gewählt, der sein Amt nach der Niederlage bei der Bundestagswahl zur Verfügung gestellt hatte.
Zuvor hatten die mehr als 600 Delegierten in teils schonungslosen und emotionalen Wortmeldungen nach Gründen für das Versagen der FDP bei der Bundestagswahl gesucht. Rösler und Ex-Spitzenkandidat Rainer Brüderle räumten eigene Fehler ein, kritisierten aber auch mangelnde Loyalität im Führungsteam.
"Ich hätte mich über ein bisschen mehr Unterstützung in einem starken Team gefreut", sagte Rösler. Nach Ansicht von Brüderle machten auch "Hass und Vernichtungssehnsucht" in Teilen der Öffentlichkeit der FDP das Leben schwer.
Weiter Weg mit Widerständen
Lindner stimmte die Partei auf harte Jahre ausserhalb des Bundestages ein.
Christian Lindner. /


Der weite Weg zurück werde von Widerständen, Rückschlägen und Enttäuschungen gesäumt sein: "Deshalb kann keiner diesen Weg allein gehen."
Der Umgang der Basis mit der historischen Zäsur zeige aber, dass die FDP noch Stärke und Selbstachtung besitze, sagte Lindner, der Ende 2011 als Generalsekretär in Berlin zurückgetreten war. Unter seiner Führung werde es keine Spaltung und keinen Rechtsruck geben. Die Partei dürfe nicht der "nationalökonomischen Bauernfängertruppe" von der AfD nacheifern.
"Wir wären verrückt, wir würden unsere Seele verlieren", sagte Lindner. Für die ausserparlamentarische Arbeit bis 2017 gab er die Parole aus: "Apo ist Machete und Florett, Stammtisch und Talkshow, Strasse und Feuilleton."
Ankündigungen der SPD-Spitze, verstärkt um FDP-Mitglieder zu werben, nahm Lindner als Ansporn: "Wir werden nicht tatenlos zusehen, dass andere Parteien den Versuch unternehmen, sich unserer liberalen Idee zu bemächtigen und sie dann zu verformen und zu verfälschen."
"Wir leben noch"
Kubicki sagte: "Erbschleicher sind unterwegs. Alle wollen die FDP beerben. Wir leben noch." Zuvor hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel der "Braunschweiger Zeitung" gesagt: "Die liberale Idee ist (...) zu wichtig, um sie mit der FDP untergehen zu lassen. Deshalb muss die SPD dem Liberalismus eine neue Heimat geben."
Die Liberalen hatten bei der Wahl im September mit 4,8 Prozent erstmals seit 1949 den Einzug in den Bundestag verpasst.