Die TV-Ansprache des Bundespräsidenten hat Tradition, auch wenn sie selten so viel Aufmerksamkeit erregt wie die Adolf Ogis Rede vor dem Lötschbergtunnel im Jahr 2000. Dreizehn Jahre später plagen das Schweizer Fernsehen ganz andere Sorgen: Ein ausgewähltes Testpublikum zeigte sich empört darüber, dass der neue Bundespräsident Didier Burkhalter in der fünfminütigen Vollversion gar nicht zu sehen sei.
Sprecher: «Unsinn!»
«Der Vorwurf ist Unsinn», versichert ein Sprecher der Produktionsfirma TPC auf Anfrage: «Herr Burkhalter ist die ganze Zeit im Bild und steht rund zwanzig Zentimeter links von einem Sideboard, auf dem auch ein Wasserglas und eine Zimmerpflanze zu sehen sind.» Sicherheitshalber habe man nun aber die Ansprache mit einer Einblendung versehen, die auf die Präsenz des Magistraten im Video aufmerksam macht.
/

/


Dennoch will man beim SRF gewappnet sein und hat für den Zeitraum der Erstausstrahlung die Belegschaft der Zuschauer-Hotline hochgefahren.
Geplatzter Termin
Wie der vor allem in der Deutschschweiz als farblos geltende Burkhalter zum Wirbel Stellung bezieht, ist leider bis zur Stunde nicht bekannt. Der Versuch, ihn persönlich zum drohenden Eklat zu befragen, war nicht von Erfolg gekrönt. Unser Bundeshauskorrespondent wartete eine Stunde lang vergeblich im verabredeten Sitzungszimmer, während der Bundesratssprecher im Anschluss behauptete, Bundesrat Burkhalter sei die ganze Zeit über im Raum anwesend gewesen. Bleibt zu hoffen, dass der Magistrat die verbleibende Präsidialzeit nutzen wird, um seinem Image etwas stärkere Konturen zu verleihen.