Alle Beteiligten müssten den «Mut» zum Frieden aufbringen, der auf dem Recht zweier Staaten beruhen müsse, «in Frieden und Sicherheit und innerhalb international anerkannter Grenzen zu existieren und zu leben», sagte der Papst am Sonntag in der Stadt im Westjordanland.
Abbas warf Israel vor, Christen und Muslime aus Jerusalem verdrängen zu wollen. Er habe den Papst über die «tragische Situation in Jerusalem informiert», sagte Abbas. Israel versuche «systematisch», die Identität und den Charakter Ost-Jerusalems zu verändern. Dazu schneide es sowohl christlichen als auch muslimischen Palästinensern «die Luft ab» - mit dem Ziel, sie aus dem Ostteil der Stadt zu verdrängen.
Nach dem Treffen mit Abbas legte Franziskus auf dem Weg zum Krippenplatz im Bethlehem einen ungeplanten Zwischenstopp an der israelischen Sperranlage zum Westjordanland ein. Er stieg aus seinem weissen Papamobil aus und ging zu Fuss zu der acht Meter hohen Betonmauer, wo er einige Minuten lang zum Gebet verweilte.
Papst Franziskus wurde über die «tragische Situation in Jerusalem» informiert. /

Messe auf Krippenplatz
In der anschliessenden Messe in Bethlehem rückte Franziskus das Leiden von Millionen Kindern in den Mittelpunkt. Nahe der angenommenen Geburtsstätte Jesu beklagte er vor Tausenden Gläubigen eine Zeit, «in der Waffen gehandelt werden, die in den Händen von Kindersoldaten landen, sowie Produkte, die von kleinen Sklavenarbeitern verpackt sind».
Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas stellte sich zu den Katholiken mehrerer Länder, die dem Aufruf des Papstes gegen Ausbeutung und Misshandlung von Kindern zuhörten. Noch viele Kinder lebten unter unmenschlichen Bedingungen am Rande der Gesellschaft, kritisierte Franziskus.
Nach der Messe wollte er im Franziskaner-Konvent von Bethlehem mit palästinensischen Familien zu Mittag essen.
Begegnung mit Flüchtlingskindern
Einen politischen Höhepunkt seiner dreitägigen Nahostreise soll eine Begegnung mit hundert palästinensischen Flüchtlingskindern bilden, deren Sorgen Franziskus anhören will.
In der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt steht am Abend das ökumenische Gebet mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomeos im Mittelpunkt. Auch eine gemeinsame Erklärung der beiden Kirchenführer wird dort unterzeichnet.