«Technologisch sind wir so weit, wir müssen auf nichts mehr warten», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Desertec Foundation, Gerhard Knies, der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Die Wüsten haben durch ihre geografische Verteilung beste Potenziale für eine globale
Stromversorgung.»
Spektakuläre Solarstrom-Anlagen in der Sahara sollen zur Energiewende in Europa beitragen, so die Idee der Organisation. Mehrere Grosskonzerne, darunter auch ABB, wollen das Projekt mit der Gründung einer Initiative voranbringen, was gestern Montag in München besiegelt wurde.
Der dramatisch voranschreitende Klimawandel zwinge Politik und Wirtschaft weltweit zu raschem Handeln, sagte Knies. Grosse Energieversorger hatten zuletzt jedoch Zweifel an der Umsetzung der «Wüstenstrom-Vision» geäussert und so die Erwartungen kräftig gedämpft. «Es melden sich schon die Verlierer, die sich in ihrer Vormachtstellung angegriffen sehen», sagte Knies dazu.
Wüstenkraftwerke arbeiten nachts
Dabei sei die Energiegewinnung über sogenannte Parabolrinnen- Kraftwerke in der Wüste eine «echte Alternative zu grundlastfähigen Energien», erklärte der Physiker. Die Kraftwerke könnten auch nachts arbeiten und liessen sich viel schneller errichten als beispielsweise Atomkraftwerke.
Die Sahara-Länder könnten ihre stillen Reserven nutzen. /


Bei diesen müssten neben der weit aufwendigeren Technik schliesslich auch viele Sicherheitsstandards berücksichtigt werden.
Grosses Potenzial für die Wüstenstrom-Technologie sieht Knies auch in den Schwellenländern China und Indien. «Sie haben Zugang zu brauchbaren Wüsten. Damit könnte man das Problem Energieversorgung der Zukunft im globalen Massstab angehen.»
Tunesien und Algerien melden Interesse
Die Kritik, die Investitionen in den Staaten Nordafrikas seien eine moderne Form der Kolonialisierung und Ausbeutung, wies er zurück: «Die Länder würden ihre grosse stille Reserve, nämlich die Wüsten, zu Kraftwerken machen. Es gibt nichts, was man ihnen raubt. Sie können ein Industrieprodukt erzeugen, das sie exportieren könnten.»
Tunesien und Algerien hätten schon Interesse angemeldet, berichtete Knies. Generell müssten die Staaten in Nordafrika selbst entscheiden, ob und in welcher Form sie an dem Projekt teilhaben wollen. «Wer hierzulande sagt, der Strom soll erst einmal nur für Afrikaner sein, der schreibt ihnen ja gerade vor, was sie tun sollen.» Genau das wäre dann der eigentliche Rückfall in koloniales Denken, sagte Knies.