Der Weltranglistenerste musste sich gegen den forsch und von der Grundlinie druckvoll auftretenden Bellucci abmühen. Das kam nicht überraschend. Der Linkshänder aus Sao Paolo, der das Turnier von Gstaad zweimal gewinnen konnte und letzte Woche in Moskau im Final stand, hatte Federer bereits im Frühling in Indian Wells einen Satz abgenommen.
Heute war Bellucci nur zu Beginn und zum Ende der Partie nicht auf Augenhöhe mit dem Baselbieter. Federer nahm ihm gleich bei erster Gelegenheit den Service ab und nutzte die frühe Differenz zum Gewinn des ersten Satzes. Danach taten sich die Rückschläger schwer, was jedoch dem Spektakel nicht abträglich war. Phasenweise war die Partie hochstehend, die Vorhand von Bellucci bemerkenswert.
Den Satzgewinn verdiente sich der Aussenseiter nur schon, weil die Voraussetzungen für ihn deutlich weniger ideal waren als für Federer. Der 24-Jährige hatte seine Erstrundenpartie nur 18 Stunden vor seinem Einsatz gegen den am Dienstag spielfreien 17-fachen Grand-Slam-Sieger beendet. Nach einem verspielten 6:2-Vorsprung im Tiebreak nutzte er seinen fünften Satzball.
Belluccis Glaube an den Coup
Nervös sei er nach dem Satzausgleich nicht geworden, sagte Federer. Aber er war ein wenig unzufrieden mit seiner Leistung: «Ich habe gut und intelligent serviert. Beim Return lief es aber nicht wie gewünscht.» Es war Bellucci anzusehen, dass er an den Coup glaubte.
Musste hart kämpfen: Roger Federer. /


Doch am Ende schlichen sich Fehler ein, die Federer das zweite Break der Partie ermöglichte, zum 7:5 und Matchgewinn. Der Schweizer bleibt damit im Rennen um einen sechsten Titel vor eigenem Anhang. Der Sieg gegen Bellucci war der zwöfte in Folge in der St. Jakobshalle. Seit 2010 hat er nur drei Sätze abgegeben.
Weil mit Stanislas Wawrinka, Viktor Troicki und dem Turniersieger von Moskau, Andreas Seppi, die bestklassierten Spieler in seiner Tableauhälfte bereits ausgeschieden sind, kann Federer erst im Final auf einen Gesetzten treffen. Nächster Gegner ist am Freitag entweder der Franzose Benoit Paire (ATP 46) oder der polnische Qualifier Lukasz Kubot (ATP 67).
Chiudinelli chancenlos
Chiudinelli (ATP 149) musste einen Tag nach seinem schönen Sieg gegen Guillermo Garcia-Lopez eine deutliche Niederlage hinnehmen. Der zweite Baselbieter im Feld unterlag dem als Nummer 3 gesetzten Franzosen Richard Gasquet (ATP 13) in 65 Minuten 1:6, 4:6. Gegen den Spieler, den er vor drei Jahren im Viertelfinal von Basel geschlagen hatte, stand er von Beginn weg auf verlorenem Posten. Der erste Satz dauerte nur 18 Minuten und endete mit einem Punktverhältnis von 24:11. Auch danach wurde Chiudinelli klar dominiert. Der 31-Jährige kam zu keiner Breakchance.