Derzeit sind die Tests noch relativ umfassend, wie Michael Lorrain, Neurologe und Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Forschung Initiative e.V. erklärt: «Die Patienten werden körperlich untersucht - von Kernspintomographie bis hin zu Blutwerten und Gefässuntersuchungen - und ihre kognitiven Fähigkeiten werden getestet. Die meisten Patienten kommen zur Untersuchung, weil deren Angehörigen feststellen, dass ihr Gedächtnis schlechter wird. Den Patienten fällt das selbst meist nicht so auf.»
Analyse gibt Aufschluss über Stadium
Die US-Forscher verglichen die Testleistungen von über 60 Jahre alten Erwachsenen, die zur Demenztestung an die Johns Hopkins Medical Psychology Clinic verwiesen wurden, mit gesunden Erwachsenen. Die Tests umfassten Gedächtnisleistung, Sprache, Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Zeichenfähigkeit - zusammengefasst wurden sie in 13 Scores.
Nicht jeder Mensch ist in jedem dieser Gebiete gleich gut - aber bei gesunden Menschen sind die Leistungen glockenförmig verteilt. Das heisst, man ist bei den meisten Fähigkeiten sehr gut, bei anderen etwas weniger gut und bei ein paar noch etwas schlechter.
Trotz vieler Fortschritte lässt sich die Krankheit nicht heilen.(Symbolbild) /


Sobald diese glockenförmige Verteilung nach einer Seite schief ist, bedeutet das, dass die Gefahr an Alzheimer zu erkranken, steigt.
Frühe Diagnose wichtig, zu früh aber gefährlich
«Alzheimer wird heute bereits deutlich früher diagnostiziert als noch vor einigen Jahren. Dadurch können frühe und mittlere Stadien ausgedehnt werden, und die Patienten haben länger eine hohe Lebensqualität», erklärt Lorrain. «Alzheimer wird derzeit sowohl mit Medikamenten als auch nicht-medikamentös mithilfe von Wahrnehmungstrainings und Gedächtnisübungen behandelt. Auch in Richtung der Ernährung wird geforscht», so der Neurologe weiter.
Trotz vieler Fortschritte lässt sich die Krankheit aber nicht heilen. Deswegen warnt Lorrain auch vor den Konsequenzen einer Diagnose bei Menschen, die selbst noch keine Auswirkungen der Krankheit spüren: «Rein psychologisch gesehen hat die Diagnose beim gesunden Menschen gewaltige negative Auswirkungen.»
Demenz und Alzheimer besser voneinander abgrenzen
Ihre statistische Methode soll laut den Forschern der Johns Hopkins Universität einerseits dabei helfen, Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen zu beruhigen. Andererseits sollen Menschen, die Alzheimer bekommen werden, möglichst schnell eine Behandlung bekommen und werden aufgefordert Dinge zu erledigen, die sie nachher vielleicht nicht mehr tun können.
Lorrain bleibt trotz alledem skeptisch: «Die Diagnose mehrerer Jahre vor Ausbruch der Krankheit wäre wunderbar, wenn es auch ein Medikament gäbe, das den Krankheitsausbruch um zehn Jahre verzögert.»