Nun wird sich Frankreich erneut gedulden müssen: Mit wenigen knappen Sätzen wich Hollande bei seiner grossen Pressekonferenz am Dienstag in Paris den drängenden Fragen nach seiner heimlichen Liebesaffäre mit der Schauspielerin Julie Gayet aus: "Private Angelegenheiten werden privat behandelt", drückte sich der Staatschef um eine Klärung herum.
Eine Klarstellung wird nicht nur von seiner offiziellen Lebensgefährtin Valérie Trierweiler eingefordert, sondern mittlerweile fast von der gesamten politischen Klasse Frankreichs - regierende Sozialisten eingeschlossen.
Vor seinem USA-Besuch ab dem 11. Februar, bei dem er die Obamas mit Trierweiler als Première Dame an seiner Seite treffen könnte, will Hollande nun zwar die geforderte Klarheit schaffen.
Kann er sich überhaupt konzentrieren?
Er durchlebe derzeit "schmerzhafte Momente" und "Bewährungsproben" in seiner Beziehung mit Trierweiler, räumte er ein. Doch in Paris wird inzwischen bereits die Frage gestellt, ob sich der Präsident überhaupt noch auf seine Amtsgeschäfte konzentrieren kann.
Trotz der Pressekonferenz vor mehr als 500 Journalisten am Dienstag im Elysée-Palast droht derzeit jedenfalls unterzugehen, dass der Präsident im neuen Jahr mit seiner bisher als erfolglos gescholtenen Reformpolitik noch einmal durchstarten will.
Der Sozialist führte umso nachdrücklicher die Eckpunkte für seinen neuen "Verantwortungspakt" mit den Unternehmern aus, die um immerhin 30 Milliarden Euro entlastet werden sollen, um im Gegenzug mehr Arbeitsplätze schaffen zu können.
Alles dreht sich um das Eine
Doch seit den Enthüllungen des Magazins "Closer" vom vergangenen Freitag über seine Liaison mit der 41-jährigen Gayet, zu der er sich seit Monaten heimlich auf einem Motorroller chauffieren lassen soll, dreht sich in Paris alles nur noch um das Privatleben Hollandes.
Diese Enthüllung habe ihn "vollkommen empört", gestand der Staatschef, der im Wahlkampf 2012 versprochen hatte, so zu agieren, "dass mein Verhalten in jedem Moment vorbildlich ist". Dabei musste er noch hinzufügen, dass seine Sicherheit während seiner nächtlichen Ausflüge "in jedem Moment" gewährleistet gewesen sei.
Rund drei Viertel der Franzosen haben inzwischen eine schlechte Meinung von ihrem Präsidenten - schon seit dem Sommer 2012 geht der Trend für Hollande stetig nach unten.
Hollande erklärte, dass er vor dem 11. Februar die Liebesaffären-Gerüchte klären werde. /


Grund sind vor allem die verheerenden Zahlen bei Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Firmenpleiten. Bei diesen zentralen Themen wird Hollande wie in vielen anderen Fällen vorgeworfen, zu zögerlich und zu unentschlossen nötige Reformen anzugehen.
Es braucht Lösungen
Auch im Falle Trierweiler-Gayet könnte eine Entscheidung des Präsidenten noch auf sich warten lassen - "denn um von Klärung zu sprechen, braucht man Lösungen, die derzeit aber nicht vorhanden sind", gestand ein Freund Hollandes der linksgerichteten Zeitung "Libération" vom Dienstag. Mindestens 14 Tage werde es noch dauern, meinte ein anderer.
Derweil liegt die bei den Franzosen unbeliebte Trierweiler mit Depressionen im Spital und will ihrem Lebensgefährten laut ihrem Umfeld "verzeihen" - vorausgesetzt, dass der sich bald entscheidet. Dabei müsste die 48-Jährige am besten wissen, dass Hollande bei ihrer eigenen Liebesgeschichte geschlagene fünf Jahre brauchte, bis er 2010 die Beziehung offiziell eingestand.
Gayet äusserte sich bisher noch gar nicht zu der Liebesaffäre - nur die langjährige Ex-Partnerin des Präsidenten, Ségolène Royal, mit der er vier Kinder hat, konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen: "Man muss das Kapitel schliessen und sich wieder an die Arbeit machen", rügte sie öffentlich ihren Ex. Das ganze Theater sei "sehr, sehr, sehr weit weg von den Sorgen der Franzosen".