co2-handel.de/ht / Freitag, 28. August 2009 / 10:18 h
39 Jahre zu spät, um den gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie «Carbon Chasm» des Carbon Disclosure Projects (CDP).
Derzeit reduzieren die 100 weltweit grössten Unternehmen im Schnitt nur jährlich 1,9 Prozent ihrer berichteten CO2-Emissionen. Nötig wären 3,9 Prozent, um die Emissionen in den Industrieländern bis zum Jahr 2050 insgesamt um 80 Prozent zu senken. Gefährlicher Klimawandel, der bei einer Erwärmung um mehr als zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten befürchtet wird, ist laut dem Weltklimarat (IPCC) nur durch Emissionsminderungen der Industrieländer von 80-95 Prozent bis 2050 zu verhindern. Demnach müssten die Unternehmensemissionen doppelt so schnell reduziert werden als bisher.
Analysiert wurden die Reduktionsziele der „Global 100“ (nach Marktkapitalisierung und als weltweit grösste 100 Unternehmen aus dem FSTE Global Equity Index) anhand ihrer Antworten auf die jährliche Unternehmensbefragung des Carbon Disclosure Projects im Jahr 2008.
Marktkräfte und Reputation
73 Prozent der Global 100 haben Reduktionsziele für Treibhausgase festgelegt, darunter auch Nestlé, Novartis, Roche UBS und Credit Suisse.
Ein Viertel der Grosskonzerne besitzen kein CO2-Reduktionsziel. /


Mehr als ein Viertel (27 Prozent) haben dagegen kein Ziel oder sind nicht bereit, es zu veröffentlichen. Dabei legt sich die Mehrheit (62 Prozent) auf CO2-Reduktionsziele fest, während sich 15 Prozent auf Energieverbrauch und 9 Prozent auf Energieeffizienz fokussieren. 86 Unternehmen haben absolute Ziele, 45 haben relative Ziele. Die Ziele richten sich selten an den klimawissenschaftlichen Bedürfnissen aus. Eher werden diese durch Marktkräfte oder Reputationsüberlegungen bestimmt.
«Die Kluft zwischen den tatsächlichen Zielen der Unternehmen und den notwendigen Reduktionen muss geschlossen werden. Der erste Schritt ist, dass jedes Unternehmen eine transparente Klimastrategie entwickelt, die sich am nötigen, klimawissenschaftlich begründeten absoluten Reduktionsniveau bis 2050 ausrichtet», kommentiert Matthias Kopp, Klima- und Finanzexperte des WWF Deutschland die Studie
Rahmenbedingungen für Post-Kyoto
84 Prozent der untersuchten Unternehmen haben sich ihre Reduktionsziele bis zum Jahr 2012 gesetzt, in dem auch das Kyoto-Protokoll ausläuft, um möglicherweise auf Grundlage der Ergebnisse der Klimakonferenz in Kopenhagen neue Klimastrategien festzulegen.
«Unternehmen, die die Tragweite einer kohlenstoffarmen Wirtschaft erkennen und für ihre Gesamtstrategie übersetzen, werden von diesem Umbau am ehesten profitieren. Allerdings muss die Politik klare, an der 2 Grad-Schwelle ausgerichtete Rahmenbedingungen für die Zeit nach 2012 schaffen und damit ausreichend Planungssicherheit für Unternehmen herstellen», so die Einschätzung von Matthias Kopp.