Nein, sagt die Statistik. Die letzten fünf Meister hatten zum Rückrundenstart auch nicht gesiegt.
7. Februar 2010. Basel gewinnt gegen Leader YB 4:0 und stellt den Champagner kalt. Bereits im Jahr 1 nach Christian Gross wird der FCB Meister. So zumindest lesen sich die Schlagzeilen am Tag nach dem Spitzenspiel.
«Da waren es nur noch vier», titelte etwa die «Berner Zeitung» und zählt den (schmelzenden) Punktevorsprung von YB. Ein Basler Meister-Countdown sozusagen. Gemäss der «Basler Zeitung» lehrte der FCB YB das Fürchten, und auch für den «Tages-Anzeiger» ändert mit dem 4:0 die «psychologische Ausgangslage im Titelkampf».
«Wenn wir gewinnen, werden wir Meister»
Schon in den Tagen vor dem Duell mit YB hatte Basels Coach Thorsten Fink dem Spitzenspiel quasi finalen Charakter zugebilligt. «Wenn wir die Young Boys schlagen, werden wir auch Meister», hatte er gesagt. Als der Sieg in trockenen Tüchern war, schlug der Deutsche indes moderatere Töne an. «Es sind noch 17 Spiele, und YB hat immer noch vier Punkte Vorsprung.»
Die vier Basler Tore in den letzten 22 Minuten des Spitzenspiels sind zwar ein starkes Signal, und sie betonieren die positiven Einschätzungen, welche sich der FCB in den letzten Wochen vor der Winterpause verdiente.
Marco Streller war am Sonntag der «man-of-the-match». /


Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf des Meisterrennens lassen sie aber kaum zu. Wer nun mit einem Einbruch der Young Boys rechnet, könnte irren.
In der letzten Saison beispielsweise musste Leader FCZ in der Rückrunde bis zum 4. Spieltag warten, ehe ihm der erste Sieg gelang. Während der holprigen Anfangsphase stolperten die Zürcher auch über den FC Basel. Am Ende war der FCZ trotzdem mit sechs Punkten Vorsprung Meister.
Wie vor zwei Jahren
YB-Trainer Vladimir Petkovic ärgerte sich zwar über die Niederlage, die vier Gegentore und die individuellen Fehler, die zur Demontage führten, aber den Anfang vom Ende der Berner Meisterträume sieht er in der sonntäglichen Pleite nicht. «Ich glaube nicht, dass diese Niederlage für uns einen negativen Effekt hat.»
Torhüter und Captain Marco Wölfli verweist auf den Herbst, als es in Bern
ebenfalls zu einem Sechs-Punkte-Spiel gegen Basel gekommen war. «Damals haben wir gewonnen und den Sieg danach nicht überbewertet. Und jetzt darf auch diese Niederlage nicht überbewertet werden.»
Berner wie Basler wissen, dass ein Rückrunden-Startspiel, so bedeutsam es auch sein mag, keine (Vor-)Entscheidung bringt. So war es auch vor zwei Jahren, als die Young Boys als Verfolger den Leader FC Basel zum Auftakt klar beherrschten, 2:0 gewannen und den Rückstand auf drei Punkte verringerten.
Am Ende lachten dann trotzdem die Verlierer der 1. Runde: Basel wurde Meister -- genau wie vor und nach ihm der FCZ, der bei keinem seiner drei Meistertitel in den vergangenen vier Jahren die Rückrunde mit einem Sieg begonnen hatte.
Die Rückrunden-Startserien des Leaders und der späteren Meister:
2008/09: ZÜRICH 3 Spiele ohne Sieg (2:2 GC/a)
2007/08: BASEL 1 Niederlage (0:2 YB/a)
2006/07: ZÜRICH 1 Remis (0:0 GC/a)
2005/06: Basel* 2 Remis (1:1 Zürich/a)
ZÜRICH 1 Remis (1:1 Basel/h)
2004/05: BASEL 1 Niederlage (1:3 St. Gallen/a)
2003/04: BASEL 5 Spiele ohne Niederlage (1:0 YB/a)
2002/03: GRASSHOPPERS 14 Spiele ohne Niederlage (4:0 YB/h)
2001/02: BASEL 5 Spiele ohne Niederlage (5:2 Lugano/a)
2000/01: Lugano* 5 Spiele ohne Sieg (1:1 Sion/h)
GRASSHOPPERS 2 Spiele ohne Niederlage (2:1 St. Gallen/h)
1999/00: ST. GALLEN 1 Remis (4:4 GC/a)
In GROSSBUCHSTABEN = Späterer Meister, * = nur Wintermeister