Es handelt sich vor allem um junge Männer, aber auch um Frauen. Zu den Opfern gehören aber auch Kinder, darunter solche von Heimangestellten. Das jüngste Opfer ist ein Kind, das zur Tatzeit einjährig war, wie die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland und die Kantonspolizei Bern am Dienstag mitteilten.
Der 54-Jährige bezeichnet sich selbst als pädophil. Das Verfahren gegen ihn wurde Ende März 2010 im Kanton Aargau eingeleitet. Zwei männliche Bewohner eines Behindertenheims hatten den Eltern erzählt, dass sie mit einem Betreuer sexuelle Kontakte hatten.
Nach ersten Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht. Anfang April nahm die Kantonspolizei Bern den Mann an seinem Wohnort im Berner Oberland fest. Er befindet sich seither in Haft. Gegen den Mann liegen keine Vorstrafen wegen Sexualdelikten vor.
122 Opfer
Die Kantonspolizei Bern hat bisher 122 Opfer identifiziert, wie es an einer Medienorientierung hiess. Der Mann habe den Missbrauch von 114 Menschen gestanden.
Der Mann befindet sich in Haft. /


In weiteren acht Fällen sei es beim Versuch geblieben.
Der grösste Teil der Fälle sei verjährt. Gemäss geltender Gesetzgebung könnten 33 Fälle strafrechtlich verfolgt werden.
Taten vertuscht
Die sexuellen Übegriffe fanden gemäss den Ermittlungsergebnissen mehrheitlich in den Heimen statt, zum Beispiel während der Nachtwache und bei der Intimpflege. Der Mann betastete seine Opfer an den Geschlechtsteilen; laut den Erkenntnissen der Ermittler kam es zu Oralverkehr und analem Missbrauch.
Nicht selten wurde eines oder mehrere Opfer mehrmals am gleichen Tag misshandelt. Der Mann sei dabei gezielt vorgegangen, um die Übergriffe zu vertuschen. So habe er oftmals Ersatzwäsche bei sich gehabt.
In 18 Fällen habe der Mann den Missbrauch durch Foto- oder Videoaufnahmen festgehalten. Gemäss aktuellem Stand der Ermittlungen seien die Bilder aber nicht im Internet in Umlauf gebracht worden, hielten die Behörden fest.
Der Beschuldigte war seit 1982 in neun Heimen als Betreuer angestellt. Die Mehrheit davon befand sich im Kanton Bern. Zudem seien nebst dem erwähnten Heim im Aargau auch zwei Institutionen in Appenzell Ausserrhoden betroffen. An all diesen Orten sei es zu Übergriffen gekommen. Betroffen sei zudem ein Heim in Deutschland.