Die traditionellen Frauenstreik-Farben Lila, Fuchsia und Pink haben sich genauso wenig geändert wie die zentralen Forderungen der Gleichstellungs-Bewegung: «Wir wollen eine tatsächliche Lohngerechtigkeit und eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben», sagte Christina Werder, Zentralsekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), am Freitag vor den Medien in Bern.
Dass die Anliegen auch 30 Jahre nach der Verankerung der Gleichstellung in der Bundesverfassung keine alte Leier sind, zeigt das Beispiel der Pflegeberufe: 90 Prozent der Pflegearbeit wird von Frauen verrichtet, wie Yvonne Ribi vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) festhielt.
Weniger Geld für gleiche Leistung
Von den 10 Prozent Männern ist die Mehrheit - 80 Prozent - in Führungspositionen tätig. Die Lohndiskriminierung dieses typischen Frauenberufes sei gravierend, kritisierte Ribi: «Im Vergleich zu ähnlich anspruchsvollen Männerberufen verdienen die Pflegefachpersonen deutlich weniger.»
Verdiene etwa eine Pflegerin 600 Franken weniger im Monat als ein Handwerker mit ähnlich anspruchsvollem Beruf, so summiere sich die Lohneinbusse nach zehn Jahren auf 78'000 Franken, rechnete Ribi vor.
Immer noch Lohnklagen nötig
Der SBK müsse in vielen Kantonen das Recht auf gerechte Löhne einklagen. «Das Gleichstellungsgesetz existiert zwar seit 1996 auf dem Papier, die Umsetzung in der Praxis funktioniert jedoch alles andere als reibungslos», sagte Ribi.
«Das Gleichstellungsgesetz muss endlich umgesetzt werden!», forderte Christine Michel, Co-Präsidentin der SGB-Frauen.
90 Prozent der Pflegearbeit wird von Frauen verrichtet, doch die Chefs sind häufig Männer. (Symbolbild) /


Auch der Bund müsse Verantwortung übernehmen und die Einhaltung der Lohngleichheit kontrollieren. Noch immer verdienten Frauen im Durchschnitt für die gleiche Arbeit 20 Prozent weniger als Männer.
Wie aktuell die Forderung nach gleichen Löhnen sei, zeige auch die grosse Beteiligung am diesjährigen Frauenstreiktag, sind die Organisatoren überzeugt: Über 45 Organisationen und Netzwerke rufen zur Teilnahme am Frauenaktions- und Streiktag auf. Landesweit sind am 14. Juni hunderte Aktivitäten geplant, sowohl auf Strassen und Plätzen als auch in Betrieben.