Derweil im fernen München ein mediales Gewitter tobte, analysierten einige der Basler Galionsfiguren die eigene Hochlage. Stocker betitelte das jüngste Heldenstück als «Kampf der Titanen». Er fühle sich ein bisschen wie die sagenumwobenen Gallier Asterix und Obelix. «Auch die haben doch einst Europa aufgemischt.»
Stocker leistete nicht nur Widerstand, er stürzte die vermeintlich übermächtigen bayrischen Würdenträger zumindest vorübergehend aus ihrer «Sänfte». Mit seinem Siegtor in der 86. Minute reihte sich der Mittelfeldspieler wenige Tage nach dem Ende einer erneuten Verletzungspause unter den Hauptdarstellern ein.
«Ich bin wohl jeden Franken wert»
Nach den schwierigsten Monaten seiner Karriere tauchte der 22-Jährige plötzlich wieder im internationalen Lichtkegel auf. Das Ausrufezeichen der gesamten Equipe stellte er gleichwohl über den eigenen Beitrag: «Es ist ein Weltklassegefühl - für alle Beteiligten, für den Verein, ja wohl für das ganze Land.»
«Ich bin wohl jeden Franken wert.» Stockers relativierte seine Vermutung mit einem Augenzwinkern. Im FCB würde ihm aber bestimmt kein Entscheidungsträger widersprechen. Er ist endgültig zum Mann der entscheidenden Tore aufgestiegen. 2008 und 2010 führte er die Bebbi in der Finalissima gegen YB mit Solo-Aktionen zur Meisterschaft.
Der Alltag geht weiter
Coach Heiko Vogel kennt die Qualität Stockers im Detail: «Ich wusste genau, was ich mit der Einwechslung von Stocker bewegen kann, dass er auch gegen Bayern für den Unterschied sorgen kann.» Vom sogenannt «goldenen Händchen» mochte Vogel im Zusammenhang mit der Joker-Rolle Stockers nicht sprechen, sondern «von der logischen Konsequenz» dieser Rochade.
Die globale Wahrnehmung des Treffers wird er geniessen.
Schoss Basel mit seinem goldenen Treffer ins Glück: Valentin Stocker.
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Aber Stocker ist kein massloser Egozentriker. Seinen Alltag stellt er wegen der magischen Champions-League-Nacht nicht um. «Ich kenne auch die andere Seite. Als ich mich in der Reha täglich abmühte, Gewichte stemmte und Sprints machte, hat sich dafür niemand gross interessiert.»
Sommers Gespür
Neben dem beneidenswert gelassenen Torschützen sass am Tag der öffentlichen Besprechung des geschichtsträchtigen Sieges gegen den deutschen Rekordmeister der mindestens gleich entspannte Torhüter: Yann Sommer, der nicht zum ersten Mal in dieser Kampagne auf höchstem Level brillierte. Er teilt mit Stocker die hilfreiche Eigenschaft, aussergewöhnliche Ereignisse mit dem exakt richtigen Augenmass einstufen zu können: «Wir haben es geschafft, im Rückspiel nun eine reelle Chance zu haben.»
Sommer spürte früh, dass er nach dem Riesen Manchester United auch das «Monster Bayern» mit seinen Abwehraktionen vor ernsthafte Schwierigkeiten stellen könnte. «Für einen Torhüter ist es wichtig, sofort im Spiel zu sein, zwei, drei Paraden zu haben. Man erhält dann ein Gefühl, dass kein Ball mehr ins Tor gehen kann.»
«Ein grossartiger Keeper»
Mit seinem Selbstvertrauen und seiner Präsenz im Strafraum setzte Sommer das wichtigste Signal der Basler. Nicht nur Stocker, sondern vor allem das grösste Goalietalent Europas tat den Münchnern richtig weh. Das registrierte auch Ottmar Hitzfeld auf der Tribüne und attestierte ihm ohne die geringste Einschränkung «eine Weltklasseleistung».
Er habe schon oft angedeutet, «ein grossartiger Keeper» zu sein, so Hitzfeld. Noch steht Sommer im Nationalteam allerdings in der Warteschlange. «Diego Benaglios Position ist zurzeit unangetastet», stellte der Schweizer Selektionär klar. «Aber es ist schön zu sehen, dass man Alternativen hat.» Sommer kennt das Ranking - aber der smarte Zürcher weiss: Ihm gehört die Zukunft.