Einer, der die Partie gespannt verfolgen wird, ist Otto Rehhagel. Der langjährige Bundesliga-Coach hat «Hellas» 2004 sensationell zum EM-Titel geführt. Angesprochen darauf, wem er die Daumen drücke, meinte «Rehhakles»: «Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust. Ich war lange in Griechenland. Aber natürlich bin ich Deutscher durch und durch. Ich hoffe mal, dass die Griechen gut aussehen. Ich wäre aber auch nicht enttäuscht, wenn es Deutschland schaffen würde.»
DFB-Elf klarer Favorit
An der Favoritenrolle gibt es keine Zweifel. Während die DFB-Auswahl in der «Todesgruppe» ohne Punktverlust geblieben ist, stand Griechenland in einer bedeutend schwächer besetzten Staffel kurz vor dem Ausscheiden. Ein Vorrunden-Out der Hellenen hätte auch keine Verwunderung hervorgerufen. Das Weiterkommen verdienten sie sich schliesslich mit einer kämpferischen Leistung gegen das scheinbar übermächtige Russland.
Geht es dem Gusto der Deutschen, soll der griechischen Mannschaft kein Rettungsschirm mehr helfen. Bastian Schweinsteiner meinte, sein Team könne sich nur selber schlagen. «Wir verschwenden keinen Gedanken daran, dass etwas schiefgehen kann», ergänzte Sami Khedira, sein Partner im defensiven Mittelfeld. Khedira hob aber auch den Mahnfinger. «Wir müssen hochkonzentriert sein und dürfen nicht schon einen Schritt weiterdenken. Das ist die grosse Gefahr.» In den Halbfinals würde ein Klassiker gegen England oder Italien locken.
Deutschland komplett
Bundestrainer Joachim Löw kann gegen Griechenland aus dem Vollen schöpfen.
Deutschland hofft auf Goalgetter Mario Gomez. /


Rechtsverteidiger Jerome Boateng steht nach abgesessener Sperre wieder zur Verfügung. Lars Bender muss deshalb wohl zurück auf die Ersatzbank. Nach den drei Gruppenspielen in der Ukraine steht Lukas Podolski vor seinem ersten EM-Auftritt in seinem Geburtsland Polen. Ob auch Miroslav Klose in diesen Genuss kommt, ist weniger sicher. Gespannt darf man auf Mesut Özil sein. Der Mittelfeld-Regisseur von Real Madrid hinkt an dieser EM seiner Top-Form hinterher. Von den Deutschen ist dennoch ein offensiver Auftritt zu erwarten. Laut Löw sei aber die richtige Balance zu finden, weil die mit einer Mauer-Taktik agierenden Griechen auf Konter lauern dürften und in diesem Zusammenhang eine gewisse Effizienz schon eindrucksvoll bewiesen haben.
Thomas Müller geriet in den vergangenen Tagen in den Fokus, weil er sich über die teilweise kritische Berichterstattung in seiner Heimat aufgeregt hatte. «Im Moment kommt es einem so vor, dass wir uns dafür schämen müssten, wenn wir den Titel holen.»
Wie ersetzt Griechenland Karagounis?
Bei den Griechen bleibt abzuwarten, wie sie den Ausfall ihres gesperrten Captains und Leitwolfs Giorgos Karagounis verkraften können. Der griechische Ex-Internationale und frühere Bundesliga-Profi Ioannis Amanatidis glaubt, dass dies der Equipe von Fernando Santos gelingen wird: «Griechenland ist nicht nur auf eine einzelne Spielerpersönlichkeit fokussiert. Maniatis beispielsweise besticht im Mittelfeld durch deutsche Tugenden. Er ist sich auch für die dreckigste Arbeit nicht zu schade. Er und andere können jederzeit über sich hinauswachsen.» Und Theofanis Gekas sei immer für ein Tor gut. Wenn bei ihm der Offside-Pfiff nicht ertöne, werde es gefährlich.
Deutschland - Griechenland
Heute Freitag, 20.45 Uhr (live auf fussball.ch). - Arena, Danzig. - SR Skomina (Sln).
Voraussichtliche Formationen:
Deutschland: 1 Neuer; 20 Boateng, 5 Hummels, 14 Badstuber, 16 Lahm; 6 Khedira, 7 Schweinsteiger; 13 Müller, 8 Özil, 10 Podolski; 23 Gomez.
Griechenland: 13 Sifakis; 15 Torosidis, 19 Papastathopoulos, 5 Kyriakos Papadopoulos, 3 Tzavellas; 2 Maniatis, 21 Katsouranis; 14 Salpingidis, 6 Makos, 7 Samaras; 17 Gekas.
Bemerkungen: Griechenland ohne Avraam Papadopoulos (verletzt), Holebas und Karagounis (beide gesperrt).