Sie konnten zum Beispiel Smalltalk ausprobieren oder das Halten von Augenkontakt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Verfahren in der kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt werden könnte.
Reflexion mit Echtzeitvideos
Das Team um Lina Gega erstelle mehr als 100 verschiedene virtuelle Szenarien. Dazu gehörte auch das Fragen nach einer Busverbindung, ein Getränk in einem Lokal zu bestellen, Gespräche auf einer Party zu führen, einzukaufen oder in einer Galerie mit einem Fremden zu reden. In einem nächsten Schritt wurden die sechs jungen Männer, die sich nach einer Psychose gerade auf dem Weg der Besserung befanden, ersucht, an den Videoszenen teilzunehmen.
Auch Psychosen können zu schwerwiegenden Angststörungen führen. Die Teilnehmer konnten während sie Teil der sozialen Interaktion waren, ihr lebensgrosses Bild in einem Echtzeitvideo sehen.
Üben sozialer Interaktion erleichtert Veränderung des Verhaltens. (Symbolbild) /


Laut Gega fürchten sich Menschen mit sozialen Angststörungen davor, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und von anderen in sozialen Situationen negativ beurteilt zu werden. «Viele werden entweder öffentliche Orte oder soziale Zusammentreffen überhaupt meiden oder Sicherheitsmechanismen wie das Vermeiden des Augenkontakts anwenden.»
Problem Vermeidungsstrategien
Paradoxerweise führen die Vermeidungsstrategien der Patienten oft zu mehr Aufmerksamkeit. In der Folge werden die Bedenken, nicht den Erwartungen zu entsprechen, weiter verstärkt. «Wir wollten herausfinden, ob das Üben von sozialen Situationen in einer virtuellen Umgebung diesen Patienten helfen kann.» Die virtuelle Umgebung machte es den Teilnehmern tatsächlich leichter, Smalltalk zu üben, Augenkontakt aufrechtzuerhalten und dem Sicherheitsverhalten wie dem Schauen auf den Boden oder extremer Wachsamkeit zu widerstehen.
Wurde das neue Verfahren als Teil einer Therapie eingesetzt, zeigte sich, dass diese virtuellen Umgebungen den Patienten dabei halfen, ihr Angstverhalten zu bemerken und zu verändern. Zusätzlich konnten sie ihr Verhalten immer wieder üben. In der Folge konnten sie immer grössere soziale Risiken eingehen. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin Cyberpsychology, Behaviour and Social Networking veröffentlicht.