Während Googles eigene soziale Experimente wie Google Wave oder Buzz bisher kläglich scheiterten, preschen Microsoft und Facebook mit neuen Kooperationen vor.
Sowohl bei Windows Phone 7 als auch bei der Suchmaschine Bing zapft Microsoft den User-Content von Facebook an. In den USA werden Suchergebnisse ab sofort mit Gefällt-mir-Ergebnissen optimiert.
User-Content vernachlässigt
«Der Kampf Mensch vs. Maschine bzw. händisch gepflegtes Verzeichnis vs. Suchmaschine besteht seit Anbeginn des Internets. Bisher war es allerdings so, dass die vorhandenen generierten Daten kaum von den Suchmaschinen verwertet werden konnten», erklärt Social-Media-Experte Thomas Burg, Geschäftsführer Socialware. «Selbst Yahoo ist stets davor zurückgeschreckt, sein riesiges Linkverzeichnis Delicious in die klassische Suche einzubinden.»
Der neue Deal zwischen Microsoft und Facebook, der sich seit einigen Wochen abgezeichnet hatte, will diesen Umstand ändern.
Facebook dürfte vom Deal mit Microsoft profitieren. /


Microsofts Ziel ist es, relevantere Informationen als über klassische Suchalgorithmen bieten zu können, etwa wenn es um das Aufspüren von einem guten Restaurant, Kinofilm oder Sehenswürdigkeiten geht.
In erster Linie profitiert Facebook
«Natürlich tut Microsoft derzeit alles, um mit seiner Suchmaschine neue Impulse zu setzen. Profitieren wird von diesem Deal aber in erster Linie Facebook, das seine Daten lukrativ verkaufen kann und auch ausserhalb des eigenen Netzwerkes zu einer relevanten Informationsquelle wird», meint Burg. Mit rund 60 Mio. manuell generierten Gefällt-mir-Klicks pro Tag verfüge Facebook über ein enormes Potenzial an verwertbarem User-Content, so Burg.
Im Kampf Mensch gegen Maschine hat Google durch seine leistungsstarken Algorithmen jahrelang keinen Zweifel daran gelassen, dass eine automatisierte Suchmaschine der bessere Weg ist, um schnell und umfassend an Informationen zu gelangen. Das manuelle Einpflegen von Daten bekommt durch Hunderte Mio. an Facebook-User, die täglich Unmengen von vorselektionierten Informationen gratis bereitstellen, nun aber eine neue Dimension.
Google schlägt zurück
«Google hat sich bisher schwer getan, diese Echtzeitmedien abzufragen und in seine Geschäftsmodelle einzubauen. Gleichzeitig wird Google alles daran setzen, seine Algorithmen so weiterzuentwickeln, dass künftig auch Twitter- und Facebook-Informationen besser mit der klassischen Suche kombiniert und in Beziehung gebracht werden können», zeigt sich Burg überzeugt.