Bei Zusammenstössen mit der Staatsgewalt sollen nach unbestätigten Berichten mehrere Menschen getötet worden sein. In Ärztekreisen war von 13 Getöteten allein in Suez und von landesweit über 1000 Verletzten die Rede. Aus Kairo wurden fünf Tote gemeldet.
Nächtliche Ausgangssperre
Die Regierung verhängte in Kairo, Alexandria und Suez eine Ausgangssperre von 18 bis 7 Uhr morgens (Ortszeit), an die sich aber viele nicht hielten. Auf den Strassen waren am Abend Autos und Demonstranten unterwegs. Es wurde von Plünderungen berichtet. Helikopter kreisten über der Stadt, Schüsse waren zu hören.
Nach einem Bericht des Senders Al-Arabija versuchten Demonstranten, das Aussenministerium und das Gebäude des Staatsfernsehens zu stürmen. Auf Fernsehbildern war das brennende Hauptquartier der Regierungspartei NDP in Kairo zu sehen.
Proteste in Kairo am Nachmittag: Keine Einschüchterung der Staatsmacht wirkt. /


Zuvor war bereits ein Parteigebäude in Suez in Brand gesteckt worden.
Ein AFP-Journalist beobachtete in Kairo Soldaten, die Demonstranten das Friedenszeichen zeigten. Diese wiederum reagierten mit Applaus. «Wir wissen noch nicht, auf welcher Seite die Armee steht», sagte ein junger Demonstrant im Bezirk Dokki.
Al-Baradei unter Hausarrest
An den Protesten nahm auch der am Vortag aus Wien nach Ägypten zurückgekehrte Friedensnobelpreisträger und ehemalige Diplomat Mohamed Al-Baradei teil. Bereits während des Freitagsgebets war er in einer Moschee in Kairo festgesetzt worden.
Am Abend bestätigten Sicherheitskreise dann, dass Al-Baradei unter Hausarrest stehe. Al-Baradei gilt für viele als möglicher Nachfolger von Mubarak, der seit 30 Jahren regiert.
EDA rät von Reisen ab
Das EDA rät seit Freitag angesichts der zunehmend chaotischen Lage in Ägypten von Reisen nach Kairo und den Grossstädten Alexandria, Suez und Ismailia ab. Die grossen Schweizer Reiseveranstalter reagierten umgehend.
Wer eine Reise in die ägyptische Hauptstadt gebucht hat, kann diese kostenlos umbuchen oder annullieren. Das Angebot gelte bis zum 15. Februar und werde laufend überprüft, wie bei Kuoni, Hotelplan und Tui Schweiz auf Anfrage zu erfahren war.