Bei Strassenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern des Regimes auf dem zentralen Tahrir-Platz wurden nach Angaben von Ärzten mindestens 500 Menschen verletzt. Die Behörden meldeten am Abend ein Todesopfer, das zuvor für die Sicherheitskräfte gearbeitet habe, und 350 Verletzte.
Etwa 4000 Anhänger von Mubaraks Nationaldemokratischer Partei (NDP) waren am Nachmittag auf den Tahrir-Platz in Kairos Innenstadt geströmt, um die rund 10'000 Regimegegner zu vertreiben.
Immer wieder ritten Regimeanhänger auf Kamelen und Pferden in die Menge hinein und schlugen mit Knüppeln und Eisenstangen auf die Demonstranten ein. Andere warfen Steinblöcke von Hausdächern auf die Regierungskritiker und verletzten dadurch viele von ihnen.
Die Armee, die zunächst nicht eingeschritten war, gab später Warnschüsse ab und setzte Wasserwerfer ein, um die Menge auseinanderzutreiben.
Im Kairoer Stadtteil Mohandisin demonstrierten derweil tausende Mubarak-Anhänger. Die Demonstranten trugen Plakate, die sowohl den islamischen Halbmond als auch das christliche Kreuz zeigten. Einige Demonstranten griffen Journalisten an, denen sie vorwarfen, die Unruhen in Ägpyten geschürt zu haben.
Offenbar Polizisten in Zivil
Regierungsgegner warfen Mubaraks NDP vor, sie habe bezahlte Schlägertrupps und Polizisten in Zivil auf den Tahrir-Platz geschickt. Das Innenministerium in Kairo dementierte, dass Polizisten an den Ausschreitungen beteiligt seien.
Die USA verurteilten die Eskalation der Gewalt. Washington sei tief besorgt über Angriffe auf friedliche Demonstranten und auf Medienvertreter, sagte ein Regierungssprecher. Gleichzeitig rief er die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete Gewalt gegen friedlich protestierende Gegner Mubaraks als «nicht hinnehmbar».
Chaotische Szenen
Im Laufe des Nachmittags kam es zu chaotischen Szenen, beide Seiten warfen Steine und Flaschen aufeinander und schlugen aufeinander ein. Mehr als hundert Demonstranten sollen bei den Zusammenstössen zwischen den beiden Lagern verletzt worden sein. Der Sender Al-Dschasira berichtete, ein Journalist von Al Arabija sei niedergestochen worden.
Die Opposition erklärte, unter den Anhängern Mubaraks seien viele Polizisten in ziviler Kleidung gewesen. Al-Dschasira zitierte einen Augenzeugen, der erklärte, die Angreifer hätten jeweils 17 Dollar bekommen. Die ägyptischen Behörden wiesen diese Vorwürfe zurück.
Anzeichen von Verbrüderung verflogen
Laut CNN-Berichten entspannte sich die Situation zeitweise unerwartet.
Erst Stunden, nachdem die Lage vollständig eskalierte, griff die Armee mit Tränengas ein. /

Anfängliche Verbrüderung wich blutiger Gewalt. /


Einige Ägypter stellten sich resolut zwischen die Gruppen. Andernorts vermischten sich die beiden gegnerischen Gruppen und sangen gemeinsam. Die Sprechchöre richteten sich zeitweise auch gegen den Sprecher der Opposition und Friedensnobelpreisträger Al-Baradei.
Die Lage blieb aber verworren und eskalierte zunehmend. Es wurden Steine und auch Molotow Cocktails aus der Menge geschleudert. Verletzte waren blutüberströmt auf dem Platz vor laufenden Kameras zu sehen.
Zunächst hatten die Anhänger der Opposition die dort stationierten Soldaten zum Eingreifen aufgefordert. «Das sind die Schläger der (regierenden) Nationaldemokratischen Partei», rief einer der Oppositionellen. Er habe sich am Eingang des Platzes an einer Menschenkette beteiligt, als ihn ein Stein getroffen habe.
Rings um den Platz, der seit Tagen ein zentraler Ort der Massenproteste gegen die ägyptische Führung ist, standen Panzer der Armee. Die Soldaten griffen jedoch vorerst nicht ein. Nach Angaben von drei regierungskritischen Gruppen drangen auch Polizisten in Zivil auf den zentralen Tahrir-Platz vor.
Regierung weist Forderungen zurück
Die ägyptische Regierung hat Forderungen aus dem Ausland nach einem sofortigen Beginn des Machtwechsels zurückgewiesen. Vorschläge, nach denen umgehend eine Übergangsperiode eingeleitet werden solle, müssten «abgelehnt» werden.
Ein solches Vorgehen würde die krisenhafte «innere Lage in Ägypten» weiter anfachen, teilte Aussenminister Hossam Saki am Mittwoch in Kairo mit. US-Präsident Barack Obama hatte seinen im Zentrum der Kritik stehenden ägyptischen Kollegen Husni Mubarak am Dienstag aufgerufen, umgehend einen Übergangsprozess einzuleiten.
Ähnlich äusserten sich am Mittwoch die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron.
Der 82-jährige Mubarak hatte am Dienstag angesichts der Massenproteste in seinem Land erklärt, nach drei Jahrzehnten an der Macht werde er nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Sein Mandat läuft offiziell bis September.