Das Regime des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi hat angekündigt, seine Truppen aus der seit Wochen schwer umkämpften Stadt Misrata zurückzuziehen und den Stämmen der Region den Kampf gegen die Aufständischen zu überlassen. Den Zeitpunkt liess die Regierung offen. Noch seien Verhandlungen im Gang, hiess es.
Als Grund für den Rückzug nannte Vize-Aussenminister Chaled Kaim am Freitag vor Journalisten die Luftangriffe der NATO-geführten Truppen. In diesem Fall würde es für die von der NATO geführten Truppen noch schwieriger, zwischen Regimegegnern und Pro-Gaddafi-Einheiten zu unterscheiden.
Spott der Aufständischen
«Die Lage in Misrata wird von den Stämmen in der Umgebung und den Menschen in Misrata geregelt, entweder mit Gewalt oder in Verhandlungen», sagte Kaim nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira am späten Freitagabend vor Journalisten.
Ein Sprecher der Aufständischen in Benghasi reagierte mit Spott auf die Ankündigung. «Was sollen das für Stämme sein, die Gaddafi unterstützen?», fragte Ahmed Bani gemäss Berichten des US-Senders CNN.
Misrata ist nach Tripolis und Benghasi Libyens drittgrösste Stadt. /


Das Manöver zeige nur, dass Gaddafi versuche, sein Gesicht zu wahren.
«Es bestätigt, dass unsere Rebellen Misrata befreit haben und dass Libyen noch immer aus einem Teil besteht und nicht aus zwei, wie Gaddafi es sich erhofft», sagte Bani. Wenn die Regierungstruppen Misrata verlassen, sei «das Spiel aus». Allerdings bezweifelte er, dass sie dies wirklich tun werden.
«Ultimatum»
Nach Kaims Angaben haben die Regierungstruppen von den Stammesführern einen Zeitrahmen gesetzt bekommen, den Aufstand niederzuschlagen.
«Es gab ein Ultimatum für die libysche Armee: Wenn sie das Problem in Misrata nicht löst, werden die Menschen aus (den benachbarten Ortschaften) Zliten, Tarhuna, Bani Walid und Tawargha dorthin gehen und mit den Rebellen reden», sagte Kaim. «Wenn sich diese nicht ergeben, werden sie mit ihnen kämpfen.»
Die Hafenstadt Misrata ist die wichtigste Rebellenhochburg im Westen Libyens. Seit acht Wochen belagern Truppen des Gaddafi-Regimes die Stadt. Die Versorgungslage ist katastrophal.