Als Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hätte Hildebrand eigentlich selbst merken sollen, dass so etwas nicht gehe, sagte Roth der Zeitung im am Freitag veröffentlichten Interview. Er sollte selber gar keine Anlageentscheide fällen und die Verwaltung seines Privatvermögens einem Dritten überlassen.
Auch für Angehörige des Nationalratspräsidenten - namentlich Ehefrau Kashya Hildebrand - müssten besondere Zurückhaltung und Sorgfalt gelten. «Juristisch gesehen handelt sie als seine Stellvertreterin», sagte Roth. Man dürfe von ihr erwarten, keine Währungsgeschäfte zu tätigen.
Lasche Reglemente
Der Berner Strafrechtsprofessor Peter Kunz kritisierte in Interviews mit dem «Landboten» und der «Berner Zeitung» wegen der laschen Reglemente die Rolle des SNB-Bankrates und wegen ihrer Unvorsichtigkeit jene von Kashya Hildebrand. «Den schwarzen Peter hat, offen gesagt, nicht Herr Hildebrand, sondern seine Frau und der Bankrat», sagte Kunz dem «Landboten».
Für ihn ist die Aussage des SNB-Präsidenten, Kashya Hildebrand habe die Dollar ohne sein Wissen gekauft, glaubwürdig. «Solange niemand das Gegenteil beweist, glaube ich seinem Wort», sagte Kunz der «Berner Zeitung». Sollte sich herausstellen, dass Hildebrand selbst den Kauf bei seiner privaten Hausbank in Auftrag gegeben habe, wäre dieser laut Kunz aber nicht mehr tragbar.
Philipp Hildebrand wäscht seine Hände in (rechtlicher) Unschuld. /

Auf freiem Fuss
Der IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin, der die Daten in der Affäre Hildebrand weitergegeben haben soll, bleibt auf freiem Fuss. Man plane nicht, den Mann in Untersuchungshaft zu nehmen, sagte der zuständige Staatsanwalt am Freitag auf Anfrage.
Der 39-jährige Thurgauer hatte sich Anfang Woche bei der Polizei gemeldet und erklärt, dass er einer externen Person Bankdaten weitergegeben habe, in denen Devisentransaktionen des Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand und dessen Frau Kashya sichtbar seien. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren.
Sarasin bestätigt Hildebrands Aussagen
Unterdessen bestätigte die Bank Sarasin die Darstellung des Notenbankpräsidenten. Die Aussagen deckten sich mit jenen des Mitarbeiters, der die Kontoauszüge Hildebrands weitergegeben hatte, schrieb das Finanzinstitut am Freitag.
Die Bank behält sich zudem weitere rechtliche Schritte vor. Insbesondere ziehe sie zivile Schadenersatzforderungen in Betracht. Ausserdem erwägt sie gemäss dem Communiqué eine Beschwerde beim Schweizer Presserat «im Zusammenhang mit der fehlerhaften, die Bank Sarasin betreffenden Berichterstattung einer Schweizer Wochenzeitung». Die «Weltwoche» hatte Hildebrand in ihrer Ausgabe vom Donnerstag vorgeworfen, selbst umfangreiche Devisengeschäfte getätigt zu haben.