Der IDC-Konkurrent Gartner veröffentlichte kurz darauf ebenfalls seine Marktzahlen, die einen etwas moderateren Absatzrückgang von 11,2 Prozent auf 79,2 Millionen Personal Computer auswiesen. Zugleich gab Gartner-Analyst Mikako Kitagawa eine düstere Prognose für die PC-Branche ab. Verbraucher verlagerten ihre Computer-Nutzung auf andere Geräte wie Smartphones und Tablets. Nicht einmal in den Entwicklungsländern sei noch ein starkes Wachstum beim Absatz klassischer Notebooks und Desktops zu erwarten.
Eigentlich sollte Windows 8 die Wende bei den dahinschmelzenden PC-Verkäufen bringen. Doch nach Ansicht von IDC machte Microsoft mit seinem neuen Betriebssystem die Situation nur noch schlimmer. «Es scheint klar, dass die Veröffentlichung von Windows 8 nicht nur dahingehend gescheitert ist, den PC-Markt anzukurbeln», sagte IDC-Analyst Bob O'Donnell. «Es scheint sogar, dass der Markt abgebremst wurde.»
Gewöhnungsbedürfte Kacheln
Nach seiner Ansicht könnten sich die Kunden nicht so leicht an die Software gewöhnen. Als Gründe führte er die radikal andere Bedienung des Betriebssystems mit seinen bunten Kacheln an sowie den Wegfall des vertrauten Start-Buttons.
Für viele Windows-Nutzer ist allein die neue Optik abschreckend, zudem vermissen sie das vertraute Startmenü. Allerdings ist es objektiv keineswegs so, dass Windows 8 keine Vorteile hätte: Das neue System startet deutlich schneller als das Vorgängersystem Windows 7 und wer sich erst einmal an die neue Oberfläche gewöhnt hat, kann in der Regel auch schneller damit arbeiten, weil viele Anwendungen mit einem Klick bzw. einer Geste erreicht werden können. Eine kleine Anleitung für die Bedienung von Windows 8 finden Sie in einer eigenen Meldung.
Die Marktforscher zeigten sich vor allem deshalb besorgt über den rapiden Verkaufsrückgang, weil sich die Wirtschaft etwas erholt habe und viele scheinbar attraktive PC-Modelle auf den Markt gekommen seien. Allerdings seien manche PCs durch den Einbau von berührungsempfindlichen Bildschirmen teurer geworden.
Zu Jahresbeginn wohl der schlimmste Einbruch im PC-Markt. Laut Marktforschern soll Windows 8 dafür schuld sein. /


«Microsoft muss einige schwere Entscheidungen für die Zukunft treffen, wenn das Unternehmen dabei helfen will, den PC-Markt wiederzubeleben», sagte O'Donnell.
Bereits seit einiger Zeit verkaufen sich PC schlechter, weil vor allem viele private Nutzer auf eine Neuanschaffung verzichten und stattdessen zu einem Tablet-Computer greifen oder sich mit ihrem Smartphone begnügen. «Die geringeren Auslieferungen an sich waren keine Überraschung, aber die Heftigkeit des Rückgangs», sagte IDC-Experte David Daoud. Die Branche müsse nun darum kämpfen, «für den Kunden relevant zu bleiben».
Widersprüchliche Angaben über Apple
Neben Microsoft bekamen auch einige grosse PC-Hersteller ihr Fett weg, namentlich Hewlett-Packard und Dell. Bei HP läuft ein gross angelegter Umbau; um Dell tobt eine Übernahmeschlacht. Das habe die Nachfrage von Kundenseite weiter abgeschwächt. Als rühmliche Ausnahme führten die Marktforscher den chinesischen Hersteller Lenovo an, der seine Auslieferungen den Daten zufolge stabil halten konnte.
Weltgrösster PC-Hersteller ist demnach aber weiterhin HP ganz knapp vor Lenovo. Hewlett-Packard traf es hart mit einem Absatz-Einbruch von über 23 Prozent. Es folgen Dell, Acer und Asus. Acer erlebte mit rund 30 Prozent den schlimmsten Verkaufseinbruch.
Apple kam nur in den USA in die Rangliste der Top fünf und hier widersprechen sich die Marktforscher: IDC sieht einen Absatzrückgang von 7,5 Prozent und Gartner ein Plus in ähnlicher Grössenordnung. Apple hatte mit dem iPad selbst den Umbruch zu Tablets angestossen. Drei Jahre nach dem Start der ersten iPad-Generation führt der Konzern den Tablet-Markt immer noch an, obwohl Tablet-Modelle der Konkurrenz mit Google-Betriebssystem Android kräftig aufgeholt haben.