Alex Sutter / Quelle: news.ch / Samstag, 19. Dezember 2009 / 12:44 h
Muss nicht bei einer derartig kurzen Erscheinungsfrequenz zwangsläufig die Qualität der Serie darunter leiden? Der Gamecheck von Alex Sutter hat Antworten.
Es ist manchmal schon zum Hühnermelken. Als Gamefreak kann man es einerseits kaum erwarten, bis man das lang ersehnte Spiel in den Händen hält, und andererseits tauchen schnell Zweifel in Bezug auf die Qualität eines Titels auf, wenn dieser zu schnell auf dem Markt erscheint.
Schliesslich will ich beim Daddeln in Frohsinn schwelgen und mich nicht mit Fehlern, die aus einem Mangel an Entwicklungszeit herrühren, herumärgern. In der jüngeren Vergangenheit sind uns hierzu ja leider ein paar solcher Fälle schon begegnet.
Aber schnell wiederkehrende Erscheinungszyklen einer Spielserie müssen nicht unbedingt Grund dafür sein, dass deren Qualität automatisch als „Qual“ für den Spieler endet. Die Ratchet and Clank – Reihe ist ein solches Beispiel.
Das Abenteuer geht weiter
Ratchet and Clank: A Crack in Time ist im Grunde genommen schon der 3. Teil einer umfassenden Geschichte, welche mit der Portierung der Serie für Sonys PS3-Konsole ihren Anfang nahm.
Auch im neusten Abenteuer versucht Ratchet seinen im ersten Teil entführten Roboterkumpel Clank aufzufinden und zu befreien. Es geht um die Zeit und er muss kreuz und quer durch die Galaxis fliegen, um ihn zu suchen.
Wer die beiden vorangegangenen Parts Tools of Destruction und Quest for Booty schon gespielt hat, wird sich in Crack in Time sofort heimisch fühlen. Das Team von Insomniac Games hat aber auch an Neulinge gedacht und zu Anfang eine grobe inhaltliche Zusammenfassung zu den vergangenen Ereignissen eingebaut.
Auch für Erwachsene freigegeben
Die bunte Grafik des Spiels schreckt eventuell auf den ersten Blick Zock-Veteranen, zu denen ich mich ebenfalls zähle, etwas ab, weil in den Köpfen vieler älterer Spieler die Überzeugung eingebrannt ist, dass es sich aufgrund der farbenfrohen Optik hierbei automatisch um einen Kindertitel handeln muss.
Aber Ratchet & Clank ist mehr, als ein simples Jump-and-Run, das unweigerlich der Kinderschublade zugeordnet werden muss. Der Begriff Action-Adventure ist treffender und ist ein Vergnügen, welches durchaus auch Spannung und Abwechslung für Erwachsene bereit hält. Und gerade dieser Teil wartet ausserdem mit zahlreichen grotesk-verschrobenen Sprüchen und irren Gags auf, die oft mein Zwerchfell strapaziert haben, dafür aber von der jüngsten Käuferschicht nicht immer verstanden werden.
Lebendiges Universum
Ja, das Game ist wirklich höchst vielseitig. Es verflechtet erst einmal auf perfekte Weise zwei wichtige Dinge miteinander: Das aktive Spielerlebnis und die spannende Erzählung einer Abenteuergeschichte, die ausserdem mit viel Humor gespickt ist. Die hochwertigen Zwischensequenzen sorgen für manch einen Lacher und vermitteln mir zeitweise gar das Gefühl, dass ich mir einen Pixar-Film ansehe. Schon dieser Fakt allein beweist eigentlich, dass trotz der zügigen Veröffentlichung, die Entwickler an diesem Projekt eifrig und mühevoll gearbeitet haben und der PS3-Gemeinde nicht einfach einen lieblosen Spiele-Schnellschuss abliefern wollten.
Dazu gesellt sich ein buntes, unterhaltsames und reichhaltiges Spielgeschehen, die an vielen Stellen eine ausserordentliche Detailverliebtheit der Entwickler zu Tage fördert.
Die Levels mit Ratchet sind deutlich actionlastiger als jene mit Clank. /

Ratchets Roboterfreund Clank. /


Egal, ob man sich als Ratchet auf irgendwelchen Planeten durchzuschlagen versucht, als seinen Roboterfreund Clank über Plattformen hetzt, oder mal ein kleines Raumschiff durch den Weltraum manövriert – überall ist was los, und manchmal kann ich mich, selbst beim Ablauf des Hintergrundgeschehens, einfach nicht davon sattsehen.
Als Spieler treibt man sich meist als Ratchet in den unterschiedlichsten Ecken des Weltraums herum. Doch nicht immer muss ich zwingend jeden Abschnitt durchforsten. Abseits der Hauptstory kann ich frei den Weltraum erkunden und fremde Planeten und Monde entdecken, wo zusätzliche Aufträge auf mich warten.
Lohnenswert sind solche Nebenmissionen allemal, denn dadurch kann ich meinen Sammeltrieb ausreichend ausleben und viele Schrauben, Bolzen und weitere Items ernten. Solche Aufträge bringen immer kleine Belohnungen, die ich daraufhin in nützliche Gegenstände investieren kann. Auch mein Raumschiff muss ich immer wieder mit diversen Verbesserungen, wie leistungsfähigeren Boostern oder stärkeren Schilden upgraden, um neue Regionen und Planeten erreichen zu können.
Unterwegs wie Inspector Gadget
Die Levels mit Ratchet sind deutlich actionlastiger als jene mit Clank. Mit verschiedenen, zum Teil doch sehr abgefahrenen Waffen und Werkzeugen ausgerüstet, kann ich meinen Feinden gehörig eins auf den Pelz brennen. So gibt es zum Beispiel eine Wumme, an die ein schreiendes Alien geschnallt ist.
Aber auch die anderen Aufgaben, die sich mir eröffnen, sind vielfältig: Es gibt natürlich typische Jump-and-Run- und Plattformsequenzen, oder Kletterpartien, die es zu meistern gilt. Schalterrätsel und Puzzleaufgaben sind ebenfalls zu lösen oder ähnliche Herausforderungen, die manchmal mit der zusätzlichen Erschwerung des Zeitdrucks zu bewältigen sind.
Tückische und zeitabhängige Jobs zu erledigen, sind mir persönlich zwar ein Graus, weil ich mich nicht gerade als Joypad-Akrobat bezeichnen kann. Aber weil bei diesem Spiel die Aufgaben so herrlich abwechslungsreich und pompös präsentiert werden, stört es mich nicht, wenn ich dieselbe Passage ein paar Mal angehen muss, bis der Erfolg sich einstellt.
Fazit
Es gibt sie wirklich: Produktive Entwicklerteams, welche uns Konsolenspieler schnell und zuverlässig mit Spielefutter versorgen, und gleichzeitig den hohen inhaltlichen Qualitätstandard halten können. Mit dem vorliegenden Ratchet & Clank – Teil hat mir Insomniac Games einmal mehr bewiesen, dass das Team diese Klasse locker verteidigt. A Crack in Time wartet mit einer neuen Story auf und verbindet diese mit einem bewährten, aber abwechslungsreichen und motivierenden Spielprinzip.
Die bunte Comic-Grafik spricht auf den ersten Blick bloss die jüngere Zockgeneration an. Aber das täuscht: Einige unter Zeitdruck basierende Puzzles könnten jüngere Spieler sogar überfordern. Mir als alter Hase hat das Spiel jedoch ein derartig fröhliches Hirnsausen verpasst, dass ich mich gleich 10 Jahre jünger fühlte.
Der pfiffige Humor, die tollen Sprüche und die abgedrehten Gadgets umrahmen das etwa 12-stündige Abenteuer. Nur wer über alle Bereiche hinaus lauter Neuerungen erwartet, könnte von diesem PS3-Titel enttäuscht werden.