«Michail Chodorkowski erhält diesen Preis stellvertretend für alle politischen Gefangenen in Russland», sagte die Direktorin des Mauermuseums am Checkpoint Charlie, Alexandra Hildebrandt, am Montag in Berlin.
Chodorkowskis Anwalt Jurij Schmidt, der eigens aus Russland angereist war, zeigte sich kämpferisch. «Gegen jede Verurteilung werden wir innerhalb von zehn Tagen Revision beantragen», sagte er. Die Medaille sollte am Abend im Mauermuseum verliehen werden.
Anwalt: Keine Prognose
Schmidt sagte, er wage keine Prognose, wie das Urteil gegen seinen Mandanten am Mittwoch ausfallen werde. Die Staatsanwaltschaft wirft Chodorkowski und dessen früherem Geschäftspartner Platon Lebedew die Unterschlagung von 350 Millionen Tonnen Rohöl vor.
«Von der Anklage ist nichts übrig geblieben ausser Staub», sagte Schmidt.
Michail Chodorkowski sitzt seit 2005 im Gefängnis. /


In seiner Arbeit als Rechtsanwalt sei er massiv behindert worden.
Er habe dennoch «die völlig irrationale Hoffnung», dass es zu einem Freispruch kommen werde. Auch sein Mandant habe die Hoffnung nicht aufgegeben, fügte er hinzu. Schmidt kündigte an, im Falle einer Verurteilung alle ihm zur Verfügung stehenden Instanzen in Anspruch zu nehmen. «Es ist eine Frage der Ehre und der Reputation», sagte Schmidt.
14 Jahre Haft gefordert
Chodorkowskis Mutter, Marina Filipowna, die den Verteidiger ihres Sohnes nach Berlin begleitete, warf dem zuständigen Richter vor, die Rolle des Staatsanwalts zu spielen.
Chodorkowski, der frühere Chef des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos, war 2003 verhaftet worden. 2005 wurde er wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt.
Im aktuellen Prozess gegen den ehemals reichsten Mann Russlands hat die Staatsanwaltschaft 14 Jahre Haft gefordert. Bei Anrechnung der bisher verbüssten Strafe müsste Chodorkowski für weitere sechs Jahre hinter Gitter.