Patrik Etschmayer / Quelle: news.ch / Freitag, 5. August 2011 / 11:01 h
Ob es wohl lohnend wäre, in der Schweiz Bananen anzubauen? Zum Beispiel statt Zuckerrüben? Immerhin erzielen Bananen ja bessere Kilopreise, nicht wahr? Wenn Sie sich nun an den Kopf greifen und fragen, ob der Autor wohl von einer Bananenstaude am Kopf getroffen wurde, wäre das verständlich. Doch die Frage ist rein rhetorischer Natur. Denn genau so wenig, wie das Aargau für den Anbau von Bananen im Gegensatz zu Panama Sinn macht, ist die Schweiz der Ort, um Solarenergieanlagen in grossem Mass zu betreiben. Sicher wird es immer sinnvoller - auch weil Wirkungsgrad und Preis von Solarpanelen immer besser werden - in manchen Gegenden solche Anlagen in Betrieb zu nehmen und so allenfalls ganze Dörfer energieautark zu machen und etwas Solarstrom in die lokalen Netze einszuspeisen.
Doch für die Bedürfnisse der Industrie und der Wirtschaft sind solche Systeme ungeeignet. Strom muss jederzeit in einem hohen Mass verfügbar sein und die Produktion darf nicht durch eine Wolkenschicht still gelegt werden. Es ist daher irgendwie logisch, dass Solarenergie an einem anderen Ort produziert werden müsste.
Nur wie würde man diese hier hinkriegen? Diese Frage ist bereits gelöst: In Pipelines (doch von Bananenstaude getroffen?). Solarstrom direkt in eine Stromleitung einzuspeisen ist - genau wie bei Windenergie - vielfach nicht sehr nützlich. Die Energie fällt an, wann immer die Sonne scheint oder der Wind weht, aber nicht unbedingt, wenn sie gebraucht wird. Zudem verursacht diese Direkteinspeisung eine erhebliche Belastung des Stromnetzes, gefährdet sogar dessen Stabilität.
Viel Sonne, Küste und ein grosser Entwicklungsbedarf: das südliche Tunesien. /


Deshalb ist eine Methode, diese Energie haltbar und verwertbar zu speichern von unschätzbarem Wert.
Bekannt ist diese schon lange. Es handelt sich um den sogenannten Sabatier-Prozess, in dem aus Kohlendioxid und Wasserstoff Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas, synthetisch hergestellt wird. Dieses Gas kann ohne grosse Probleme in Gastankern transportiert und in Gaspipelines eingespiesen werden, um damit dann Kombigaskraftwerke zu betreiben. Eine Pilotanlage in Deutschland läuft seit diesem Frühjahr.
Diese Kraftwerke haben - solange sie mit Erdgas betrieben werden - den entscheidenden Nachteil, CO2-Schleudern zu sein. Betrieben mit Solar- oder Wind-Methan hingegen wären diese Klimakiller auf einmal klimaneutral.
Nun stellt sich nur noch die Frage, wo denn das Methan hergestellt werden sollte. Dies wäre nicht zuletzt eine politische Frage, denn es handelte sich um eine Milliarden-Investition. Ein drängendes Problem sind momentan Flüchtlinge aus Nordafrika und die politische Entwicklung in jenen Ländern, die ihre Diktatoren bereits los geworden sind.
Tunesien wäre ein sehr guter Standort für eine solche Energie-Produktions-Anlage: Sonne und Wasser sind ebenso ausreichend vorhanden wie brachliegende Flächen, auf denen eine solche Anlage erbaut werden könnte. Es gibt scheinbar viele gut qualifizierte junge Menschen die Arbeit suchen und es wäre wohl eine sehr gute Gelegenheit, mit einer grossen Investition dieses Land vor dem Einfluss von fundamentalistischer Propaganda (wie sie scheinbar bereits von Saudi Arabien betrieben wird) zu schützen.
Energie-Politik ist auch immer Macht-Politik. Momentan werden vielfach Diktatoren und Fundamentalisten mit den Petro-Dollars, -Euros und -Franken unterstützt, Regimes, die für Menschenrechte und Demokratie in etwa so viel übrig haben wie der Papst für Swinger-Clubs. Eine Investition in eine junge, im Entstehen befindliche Demokratie hingegen wäre einmal eine Abwechslung und würde auch bedeuten, dass wir diese Staaten, die nun vor einem Neu-Anfang stehen, nicht einfach sich selbst überlassen würden.
Dass mit dieser Investition gleichzeitig auch die Energie-Zukunft der Schweiz mit gesichert, Klimaschutz betrieben und ein Beispiel für andere europäische Staaten gemacht würde, wäre aber auch nicht wirklich zu verachten. Einzig die Bananen, die müssten wir immer noch in Mittelamerika einkaufen.