In St. Petersburg gingen Schätzungen der Polizei zufolge am Sonntag rund 5000 Menschen auf die Strasse, in Moskau versammelten sich über 3000 Demonstranten nahe des Kremls.
Zum Protest in der Hauptstadt hatte die Kommunistische Partei aufgerufen, die als grösste Oppositionspartei in dem von der Kreml-Partei Einiges Russland (Edinaja Rossija) dominierten Parlament sitzt. Sie hatte sich bislang nicht an den Protesten beteiligt, obwohl sie ebenfalls Wahlfälschungen anprangerte.
KP-Chef Sjuganow Präsidentschaftskandidat
Zuvor hatten die Kommunisten am Samstag ihren Vorsitzenden Gennadi Sjuganow offiziell zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im März ernannt. Sjuganow war bereits drei Mal Präsidentschaftskandidat.
Am Samstag hatte die liberale Oppositionspartei Jabloko eine Kundgebung in Moskau organisiert. Zu der Demonstration kamen nach Schätzungen eines Reporters der französischen Nachrichtenagentur AFP 3000 Menschen. Die Polizei sprach von 1500 Demonstranten.
Die Protestierenden trugen Flaggen der Jabloko-Partei, grüne Ballons und Plakate mit Aufschriften wie «Ich wurde betrogen!» und «Wir zählen nochmal aus» in den Händen. «Wir wollen das politische System verändern», sagte Parteigründer Grigori Jawlinski vor der Menge. «Es lügt, es ist korrupt und dient nur den Interessen einer Minderheit.»
Mehrere Zehntausend vor einer Woche
Bei einem Massenprotest in der vergangenen Woche, der von mehreren Oppositionsparteien und Organisationen veranstaltet wurde, hatten bis zu 50'000 Menschen demonstriert. Eine Kundgebung, zu der erneut zehntausende Menschen erwartet werden, ist für den 24. Dezember geplant.
Aus der Parlamentswahl vom 4. Dezember war die Regierungspartei Einiges Russland von Regierungschef Wladimir Putin und Präsident Dmitri Medwedew nach offiziellen Angaben als klarer Sieger hervorgegangen. Auf dem zweiten Platz folgten mit grossem Abstand die Kommunisten. Jabloko verfehlte den Einzug in die Duma.