«In Österreich spielt das Online-Spenden nur eine marginale Rolle im Gegensatz zum klassischen Spenden. Der Trend könnte sich schnell ändern, wenn die jetzigen Haupt-User von sozialen Netzwerken in das Alter kommen, in dem sie spenden. Den Spendenbeginn beobachten wir bei etwa 50, 55 Jahren - diese Altersgruppe ist im Social Web jedoch vergleichsweise wenig präsent», so Günther Lutschinger, Chef des Fundraising Verband Austria, gegenüber pressetext.
99,76 Prozent spenden nicht
Die Forscher Kevin Lewis, Kurt Gray und Jens Meierhenrich haben ihre Beobachtungen am «Save Darfur Cause» auf Facebook festgemacht. Die Applikation der Plattform «Causes», die über das soziale Netzwerk läuft, war hochfrequentiert. Über eine Mio. User interessierten sich im Zeitraum Mai 2007 bis Januar 2010 dafür, den Genozid im Sudan zu beenden. Jedoch spendeten 99,76 Prozent der Gruppenmitglieder keinen einzigen Cent, um die Bewohner von Darfur zu retten.
Das Spenden via Internet würde eigentlich nur wenige Klicks benötigen. (Symbolbild) /


80 Prozent der vermeintlichen Unterstützer des «Save Darfur Cause» auf Facebook wurden von anderen Gruppenmitgliedern rekrutiert. Aber 72,19 Prozent luden nie selbst jemanden in die Gruppe ein. Interessanterweise waren jene 20 Prozent der Unterstützer, die der Gruppe aus eigenen Stücken beigetreten waren, besonders geneigt zu spenden und weitere Mitglieder zu rekrutieren.
Online-Spende nicht angesagt
«Bei Erhebungen, wie die Menschen am liebsten spenden, ist der Erlagschein nach wie vor ganz weit vorne. Bei akuten Katastrophen sind SMS-Spenden ein beliebtes Tool - im gesamten Spenden-Aufkommen von österreichweit etwa 510 Mio. Euro (rund 621 Mio. Franken) im Jahr spielen aber auch SMS eine noch geringe Rolle», erklärt Lutschinger.
Und auch Forscher Lewis bekräftigt: «Die Studie ist ein bedeutendes Gegengewicht zum ungezügelten Enthusiasmus für die Wirkungskraft von sozialen Netzwerken. Ihnen wohnt kein Zauber inne. Social Media kann zwischenmenschliche Bindungen aktivieren, aber wird nicht unbedingt normale Bürger zu Hyper-Aktivisten machen.» Und fügt im Fall des «Save Darfur Cause» an: «Das Engagement hat wohl nicht für mehr als einen Klick gereicht.»