In einer Gesamtschau mit dem Titel «Gesundheit2020» skizziert der Bundesrat die grössten Herausforderungen im Gesundheitswesen bis 2020 und wie er darauf reagieren will. Von den 36 dargestellten Massnahmen, mit denen die Regierung beispielsweise auf die Überalterung reagieren will, ist die Mehrzahl bekannt.
Das Gesundheitswesen sei heute zu stark auf die akute und stationäre Versorgung ausgerichtet, sagte Innenminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern. Es müsse sich stärker auf Vorbeugung, Langzeitpflege von Chronischkranken und die Pflege im letzten Lebensabschnitt konzentrieren.
Diese Bereiche will der Bundesrat fördern, indem er beispielsweise eine integrierte Versorgung, das heisst, eine bessere Abstimmung von der Vorbeugung bis zu Palliative Care anstrebt.
Mehr Finanzierungsgerechtigkeit - aber wie?
Eine grosse Rolle spielen aber auch die Kosten und deren Finanzierung. Laut dem Bericht strebt der Bundesrat an, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bei Erwachsenen stärker zu berücksichtigen. Damit soll die Solidarität zwischen Wohlhabenden und Armen verbessert und Kinder von den Prämien befreit werden.
Welche weiteren Massnahmen er für das Ziel im Blick hat, liess sich Berset nicht entlocken. Die Prämienhöhe mit dem Einkommen zu verbinden, sehe die Regierung aber nicht vor, sagte der SP-Bundesrat. Prüfen wolle er, ob das Franchisensystem anzupassen sei. Eine hohe Franchise und damit tiefere Prämien könnten sich ärmere Familien wegen des finanziellen Risikos nicht leisten.
Berset wies auch darauf hin, dass die Kantone und der Bund jährlich über vier Milliarden Franken für die Prämienverbilligung ausgeben.
Bundesrat strebt Vereinfachung des Krankenkassen-Systems an /


Damit werde die ungleiche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit heute bereits ausgeglichen. Möglicherweise gebe es aber bessere Lösungen.
Kompliziertes System vereinfachen
Einbetten liessen sich solche Anpassungen laut Berset in eine generelle Vereinfachung des Systems. Das Bundesamt für Gesundheit genehmige jährlich weit über 200'000 Einzelprämien. Aus Bersets Sicht zeigt sich darin, wie kompliziert das System ist.
Berset befürchtet aber auch, dass der Anteil der Prämienzahler an den Gesundheitskosten steigt. Immer mehr Leistungen erfolgen ambulant, und dort leisten die Kantone im Gegensatz zum stationären Bereich keine Beiträge. Das Verhältnis von 60 Prozent (Prämien) zu 40 Prozent (Kantone) möchte der Bundesrat beibehalten.
Gleiche Qualität zu günstigeren Preisen
Zahlreiche Massnahmen zielen darauf ab, die stetig wachsenden Kosten nicht weiter steigen zu lassen. Allein durch Effizienzgewinne könnten 20 Prozent der Kosten ohne Qualitätseinbusse eingespart werden, schätzt der Bundesrat. Die Förderung von elektronischen Patientendossiers verheisst aus Sicht des Bundesrates beispielsweise eine höhere Effizienz.
Erneut nimmt der Bundesrat zur Kostensenkung die Medikamentenpreise ins Visier. Deren Festsetzung soll überprüft werden, so dass Generika stärker gefördert und Fehlanreize bei der Medikamentenabgabe behoben würden.