Unter anderem sei über einen Förderauftrag für den britischen Ölkonzern BP verhandelt worden, sagte Straw in einem Interview mit der britischen Zeitung «Daily Telegraph».
Ein Sprecher Straws betonte jedoch, dass die Verhandlungen am Einspruchsrecht der schottischen Behörden scheiterten, wo Megrahi bis zu seiner Begnadigung vor gut zwei Wochen in Haft sass.
«Libyen war ein Schurkenstaat. Wir wollten es zurückholen in die Gemeinschaft», sagte Straw in dem Interview weiter.
Justizminister Jack Straw war erst dagegen, dann dafür. /


«Und dies beinhaltete in der Tat auch Handelsfragen, da Handelsfragen eine entscheidende Rolle spielen.» Im Zuge dessen sei es auch um den möglichen Auftrag für BP gegangen.
Beziehungen nicht gefährden
Vergangene Woche war aus Briefen Straws an die schottische Regierung deutlich geworden, dass der Justizminister seinen ursprünglichen Widerstand gegen Megrahis Freilassung aufgab, um die Beziehungen zu Tripolis nicht zu gefährden.
Angesichts anhaltender Spekulationen, Megrahi sei auch freigekommen, um einen Öl- und Gasdeal mit Libyen in Milliardenhöhe nicht zu gefährden, hatte sich die britische Regierung zur Veröffentlichung der Briefe entschlossen.
Entscheidung lag bei Schottland
Demnach hatte Straw ursprünglich Megrahi ausdrücklich von einem Abkommen zu einem libysch-britischen Gefangenenaustausch ausschliessen wollen, gab sein «Nein» aber letztendlich auf.
Gleichzeitig macht Straw aber deutlich, dass die Entscheidung bei Schottland liege. Am 20. August beschloss die schottische Regierung schliesslich, den krebskranken Lockerbie-Attentäter aus humanitären Gründen zu begnadigen und löste damit eine lebhafte Debatte aus.
Megrahi ist der einzige Attentäter, der je wegen des 1988 verübten Anschlag auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie verurteilt wurde, bei dem 270 Menschen starben.