England musste vor dem Turnier zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Die Sperre von Wayne Rooney, den Rücktritt von Nationalcoach Fabio Capello und diverse Verletzungen, darunter jene von Frank Lampard. Mit dem souveränen Vorstoss in die Viertelfinals hat der Weltmeister von 1966 mehr erreicht, als in der Heimat allgemein erwartet wurde. Gleichzeitig stiegen auch die Erwartungen.
Der bislang in seiner noch kurzen Karriere als englischer Nationalcoach makellose Roy Hodgson tritt deshalb ein wenig auf die Euphoriebremse und nimmt etwas Druck von den Schultern seiner Mannschaft: «Bisher haben wir ein wirklich gutes Turnier gespielt. Wir wollen jetzt einfach Freude an der EM haben und schauen, wie weit uns die Reise noch führt.»
Grosses Selbstvertrauen
Dass die Reise schon mal unter die letzten acht geführt hat, liegt gemäss Rooney auch am Coach. Dieser lasse viel taktisch arbeiten: «Ich glaube nicht, dass irgendeine Mannschaft gern gegen uns spielt.» Das Selbstvertrauen im englischen Lager ist gross. «Wir haben vor keinem Gegner Angst», versicherte Captain Steven Gerrard. «Auch wenn ich weiss, dass wir in den letzten Jahren oft im Viertelfinal gescheitert sind.» 1996 zogen die Engländer letztmals in einen Halbfinal ein.
Die Bilanz der Italiener ist zwar besser, aber die letzten zwei Turniere verliefen nichtsdestotrotz enttäuschend. 2008 scheiterte der vierfache Weltmeister im Viertelfinal und vor zwei Jahren bei der WM sogar schon in der Vorrunde. Wie die Engländer erlebte auch die «Squadra Azzurra» eine unruhige Vorbereitungsphase und bezog unter anderem in Zürich eine heftige 0:3-Niederlage gegen Russland.
Italien wohl wieder mit Balotelli
Doch in Pflichtspielen sind die Italiener seit 13 Partien ungeschlagen.
Roy Hodgson tritt auf die Euphoriebremse. /


Ihre Auftritte an der EM waren bisher zwiespältig. Gegen Spanien und Kroatien zeigten sie jeweils nur phasenweise guten Fussball, gegen Irland schossen sie das erlösende 2:0 erst in den Schlussminuten. Torschütze war Mario Balotelli, der unberechenbare Stürmer.
Italiens Nationalcoach Cesare Prandelli wird ihn gegen England wohl wieder in die Startformation nehmen, nachdem gegen Irland Antonio Di Natale den Vorzug erhalten hatte. Ein Entscheid, der ganz im Sinne von Carlo Ancelotti wäre. Der Trainer von Paris St-Germain sieht in Balotelli eine wichtige italienische Waffe: «Er kann jederzeit ein Spiel entscheiden.»
Bangen um Motta
Dass Balotelli entscheidend sein kann, weiss man auch in England. Die Boulevardpresse spekuliert aber eher darüber, dass der Spieler von Manchester City seinen Nerven nicht im Griff haben wird. Es ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass der leicht reizbare Angreifer die eine oder andere Provokation über sich ergehen lassen muss. Bangen muss Italien um Thiago Motto, der sich eine Muskelzerrung im linken Arm zugezogen hat.
England - Italien
Sonntag, 20.45 Uhr (live auf fussball.ch). - Olympiastadion, Kiew. - SR Proença (Por).
Voraussichtliche Formationen:
England: 1 Hart; 2 Johnson, 6 Terry, 15 Lescott, 3 Cole; 7 Walcott, 4 Gerrard, 17 Parker, 11 Young; 10 Rooney, 22 Welbeck.
Italien: 1 Buffon; 7 Abate, 15 Barzagli, 19 Bonucci, 6 Balzaretti; 21 Pirlo; 8 Marchisio, 18 Montolivo/ 5 Motta, 16 De Rossi; 9 Balotelli, 10 Cassano.
Bemerkungen: England komplett. Italien ohne Chiellini (verletzt).