Der Vorsitzende der grössten Einzelgewerkschaft Siptu, Jack O'Connor, bezeichnete die Einsparungen von 15 Milliarden Euro in den kommenden vier Jahren als «Kriegserklärung an die am schlechtesten bezahlten Arbeitnehmer».
Der populäre, linksgerichtete Zeitungskolumnist Fintan O'Toole warf der Regierung vor, den Willen der Bevölkerung zu ignorieren. «Es ist ihnen egal, und wir spielen keine Rolle», sagte er. Zu den Protesten hatte der Gewerkschaftsdachverband ICTU aufgerufen.
Karitative Organisationen warnten vor einem starken Anstieg der Armut durch das Sparpaket. Die Zahl der Anträge auf Unterstützung sei in Dublin schon um 40 Prozent gestiegen, in der südwestlichen Grafschaft Cork sogar um 50 Prozent, sagte John Monaghan, Vizevorsitzender der grössten irischen Hilfsorganisation St. Vincent de Paul.
Der Sparhaushalt, der am 7. Dezember ins Parlament eingebracht werden soll, ist Teil der von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) angebahnten Finanznothilfe für Irland.
Premierminister Brian Cowen, der nach der Niederlage seiner Partei Fianna Fail bei einer Nachwahl am Freitag nur noch über eine Parlamentsmehrheit von zwei Sitzen verfügt, hatte den Umfang der Hilfe auf voraussichtlich rund 85 Milliarden Euro beziffert.
Spekulationen über Zinshöhe
Irische Medien spekulierten über die Höhe der Zinsen, die auf Irland deswegen zukommen. Einem Fernsehbericht vom Freitag zufolge muss das Land mit 6,7 Prozent eine höhere Rate zahlen als Griechenland, das ebenfalls Hilfskredite erhalten hat. Die «Irish Times» berichtete dagegen von einer Zinsrate von rund 5,5 Prozent.
Die Oppositionsparteien Labour und Fine Gael, die voraussichtlich die nächste Regierung stellen werden, nannten Zinsen von über sechs Prozent inakzeptabel.
Das irische Haushaltsdefizit liegt derzeit bei 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit mehr als zehnmal so hoch wie in Europa erlaubt.