Es gebe in der heutigen Welt eine «Verleugnung des Reichtums des Glaubens», die zum Verlust der «innersten Identität» der Christen zu führen drohe, warnte der Papst in einer Ansprache vor rund 1600 zumeist spanischen Nonnen im Klosterkomplex von El Escorial.
In einer «Welt des Relativismus und der Mittelmässigkeit» brauche die Kirche «die Radikalität», von welcher der Beitritt der Nonnen zur Ordengemeinschaft zeuge, sagte Benedikt XVI., der zuvor begeistert von den Nonnen empfangen worden war.
In einer anschliessenden Ansprache in der Basilika der im 16. Jahrhundert von König Felipe II. erbauten Kloster- und Palastanlage wandte sich der Papst vor 1500 Professoren, Lehrern und Studenten gegen ein rein auf Nutzen ausgerichtetes Bildungsverständnis.
Das Oberhaupt der weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken betonte, junge Menschen bräuchten «Referenzpunkte in einer Gesellschaft, die zunehmend verwirrt und labil ist». Bildung müsse mehr vermitteln als nur «technische Fähigkeiten».
Papst Benedikt XVI.
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Treffen mit Zapatero
Benedikt XVI. war am Donnerstagmittag bei seiner Ankunft in Madrid von hunderttausenden Jugendlichen empfangen worden. Am Morgen des zweiten Tages seines insgesamt viertägigen Spanienbesuchs traf er sich mit dem spanischen König Juan Carlos.
Am Nachmittag wollte er mit Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero zusammenkommen. Am Abend dann sollte der Papst auf einer breiten Allee im Zentrum Madrids einen Kreuzweg leiten.
Neuerlich Proteste
Am Rande des Papstbesuchs kam es am Donnerstagabend erneut zu Protesten. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen etwa 150 Demonstranten vor, die auf dem Platz Puerta del Sol gegen die konservativen Ansichten des Papstes und die hohen Kosten des Weltjugendtages für den spanischen Staat demonstrierten.