Mit einer entsprechenden Ankündigung hatte der Medienmogul bereits Anfang April auf der diesjährigen Cable Show, einer Fachmesse der Kabel TV-Branche in Washington D.C., aufhorchen lassen. Nun hat Murdoch ein eigenes Expertenteam zusammengestellt, das im Laufe des kommenden Jahres ein brauchbares Geschäftsmodell für Nachrichteninhalte im Internet entwerfen soll.
Wie die New York Post berichtet, soll es unter anderem Aufgabe des Teams sein, ein «User-freundliches Gerät zu entwickeln, das dem Amazon Kindle ähnelt und eine Verbreitung der Inhalte von News-Corp.-Zeitungen wie dem Wall Street Journal oder der Times in London und TV- und Filmproduktionen ermöglicht».
Angeschlagene US-Zeitungslandschaft
Hintergrund der aktuell bekannt gewordenen Pläne ist vor allem die derzeitige Krisenstimmung innerhalb der angeschlagenen US-Zeitungslandschaft. Nachdem die Kombination aus Finanzkrise und dem deutlich schwächelnden Werbegeschäft zahlreiche renommierte US-Nachrichtenmedien an den Rand des Ruins gebracht hat, setzt die Branche nun vor allem auf das zunehmend interessanter werdende Online-Geschäft, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern.
«Die eine Lösung, die künftig Erfolg bringen wird, gibt es sicher nicht. Es dürfte sich vielmehr um einen Strauss von Massnahmen handeln, den jeder Verlag oder jedes Medienhaus für sich selbst gewichten muss», erklärt Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).
Werbe-Anteil noch immer klein
Für Zeitungen sei im Web bislang noch recht wenig Geld zu verdienen. Dies erkläre sich zu einem gewichtigen Teil sicher auch durch die entsprechenden Erwartungen, die User mit Webinhalten verbinden.
Der e-Reader soll Abonnementen an die Online-Zeitung binden. /


«Die Nutzer sind nicht bereit, Geld für Online-Inhalte von Zeitungen zu bezahlen. Hinzu kommt das Problem, dass im Internet eingesetzte Werbeanzeigen den Unternehmen noch bei weitem nicht so viel Umsätze einbringen wie ihre Print-Pendants», erläutert Pasquay.
Insgesamt gesehen gehe es der Zeitungsbranche in Deutschland aber immer noch «erkennbar besser» als in Ländern wie den USA oder Grossbritannien. «Die Werbeausgaben wandern zwar zunehmend ins Netz ab. Die Zahlen aus 2007 bestätigen allerdings, dass der Online-Bereich mit 3,3 Prozent in Deutschland immer noch einen eher kleinen Teil des Werbekuchens ausmacht», betont Pasquay.
Traditionelles Abonnementsystem
Mit kostenpflichtigen Online-Inhalten will die News Corp. in erster Linie mehr Unabhängigkeit vom schwächelnden Werbegeschäft erlangen. Das Geschäftsmodell der Werbeeinnahmen könnte so durch ein traditionelles Abonnementsystem ersetzt werden.
In diesem Zusammenhang macht auch die Entwicklung eines eigenen elektronischen Lesegeräts Sinn, das im Rahmen eines Abo-Modells eine stärkere Bindung der Leserschaft bringen könnte. Dass derartige «E-Reader» für die zukünftige Entwicklung der Zeitungsbranche von entscheidender Bedeutung sein werden, hat auch Amazon bereits erkannt, das gestern, Donnerstag, mit dem «Kindle DX» ein eigenes Lesegerät für Tageszeitungen präsentiert hat.